Nietzsche und epub?!

14. Mai 2013

Auf der Suche nach freien e-Books von Friedrich Nietzsche finden sich einige natürlich auf www.gutenberg.org in allen möglichen Formaten. Diese sind jedoch völlig unbrauchbar, da hier Nietzsches Hervorhebungen (Sperrsatz) nicht enthalten sind. www.nietzschesource.org ist hier eine wesentlich bessere Quelle, allerdings liegen die Text dort wiederum nur im HTML-Format vor. Ein gewisser “pynch” hat sich die Arbeit gemacht, sämtliche Werke aus dieser Quelle zu einer Gesamtausgabe im epub-Format herauszuarbeiten (und zwar ziemlich aufwändig, was die genauen Formatierungen betrifft) – das ist zu empfehlen: www.mobileread.com/forums/showthread.php?t=183423.

Was mich daran aber dennoch stört, ist der Umstand, dass man hier einen einzigen großen und unübersichtlichen Band hat (wenn auch klar strukturiert) – und wenn man doch quer über mehrere Werke lesen will, ist es wesentlich angenehmer, diese getrennt als Einzelbücher vorliegen zu haben. Ich habe daher begonnen, die einzelnen Werke Nietzsches von nietzschesource.org ins epub-Format zu konvertierten, wenn auch nicht derart sauber und originalgetreu, wie in der oben genannten Arbeit. Die Hervorhebungen mittels Sperrsatz sind in meiner Konvertierung fett und kursiv dargestellt, ansonsten sollten sich die Formatierungen gemäß nietzschesource.org darstellen.

Fürs Erste:

Der Krampf des Irrenhausführers!

11. Mai 2013

Eine gute Idee für ein eher kostenintensives Literaturprojekt bleibt gewöhnlich beim Ausdruck “eher kostenintensiv” auch schon stecken – freilich, geschrieben wird in der Freizeit, doch fallen Kosten an, scheitern die ohnehin nicht in Geld schwimmenden Schreibenden meist bei der Frage nach der Finanzierung (es sei denn, man trägt einen bereits wohlbekannten Namen oder aber versucht sich in Arschkriecherei). Aber warum sich nicht des relativ neuen Instruments des “Crowdfundings” bedienen? Könnte doch funktionieren… wäre zu denken… Schwierigkeiten gibt es dennoch, im Wesentlichen zwei, die die deutschsprachige Literatur betrifft: Erstens funktioniert Crowdfunding durch eine möglichst große Masse; bezüglich der Deutschsprachlichkeit reduziert sich der globale potentielle Pool wieder auf einen relativ lokalen Kreis und Crowdfunding ist in unseren Breitengraden noch nicht derart populär. Zweitens bleibt das Problem der Medienaufmerksamkeit, und das ist das selbe der klassischen Finanzierung: weitgehend unbekannte Autor/innen können natürlich erst dann mit medialer Unterstützung rechnen, wenn etwas auf dem Tisch liegt – und das ist auch gut so; wie sonst soll etwas kritisiert werden können? Einem Crowdfunding-Projekt bricht dieser Umstand jedoch das Genick; ohne Reichweite keine Masse.

Der Irrenhausführer

 

Der Irrenhausführer – Ein Zwischenbericht

Umso stärker soll hier für die Idee geworben werden – die Projektseite ist hier zu finden: Startnext: Der Irrenhausführer. Für die laufende Berichterstattung ist diese Adresse reserviert: www.irrenhausfuehrer.eu. Das Crowdfunding läuft etwas träge, unsere anfänglichen Erwartungen waren zu optimistisch – dennoch: an einem Experiment darf man auch scheitern, wohlgleich wir noch lange nicht gescheitert sind… die entscheidenden Wochen stehen bevor. Parallel zum Crowdfunding steht ein Antrag für ein Förderprogramm, um dem Projekt zum Erfolg zu verhelfen. Als dritte Kapitalquelle bleibt noch das eigene, das bis zu einem gewissen Rahmen vorgeschossen werden kann – und mit einem ersten Teilbetrag nun auch konnte – Dank einiger Verlage, die Interesse zeigen, sodass wir davon ausgehen, den Selbstverlag nicht finanzieren zu müssen. Es handelt sich meist um kleinere bis mittlere Literaturverlage, besonders freut der Bericht des Psychiatrie Verlags, der von sich aus – obwohl wir kein wissenschaftliches, sondern viel mehr ein literarisches Buch hervorbringen wollen – berichtet und interessiert ist.

Das persönliche Feedback, etwa auf Facebook, ist durchgängig positiv, zumindest melden sich keine Zweifler zu Wort. Irgendwie schade, denn wir wollen durchaus polarisieren, was uns nur zum Teil gelingt (s.u.). Die seriöse Presse, auf die wir angewiesen wären, zeigt sich einerseits interessiert – das ist wertvoll – doch abwartend. Das ist aus den oben genannten Gründen heraus verständlich, doch andererseits auch eine vergebene Chance, denn mit ein wenig Risiko und Vertrauen könnte daraus etwas Exklusives entstehen. Die meisten kontaktierten Zeitschriften warten auf ein Rezensionsexemplar – ja, bis dahin ist unsere Schwarmfinanzierung Geschichte. Nicht zu vernachlässigen wäre der Hinweis, dass dieser Roadtrip laufend Material abwerfen würde – abgesehen von literarischen Zwischenberichten, entstünden Fotografien, Videos, Tonbandmitschnitte, und so weiter – daraus könnte sich etwas machen lassen. Ein beachtliches Magazin berät sich diesbezüglich gerade, der Falter zeigt sich für die postproduktive Phase zwar offen (“Wir würden berichten. Sogar ziemlich ausführlich?”), die Idee eines Vorabberichts im Gegenzug für gewisse Vorrechte sei zwar gut, doch scheint dies noch nicht entschieden oder Negatives verschwiegen! Diese “Live-Berichterstattung” kann aber ohnedies mittels Zugang für das “Insider-BLOG” für einen Beitrag von EUR 10,- auf der Crowdfunding-Plattform erworben werden.

Eine gewisse Komik der Ratlosigkeit tragen Reaktionen von Medienvertretern, die vielleicht nicht ganz zu diesem Projekt passen – aber vielleicht gerade deshalb doch passen könnten. Etwa die als christlich geprägte Furche: “Offen gestanden weiß ich nicht so recht, was ich dazu sagen soll – aber halten Sie uns auf jeden Fall auf dem Laufenden; vielleicht bringen wir einmal etwas über das Projekt.” Eine Wirtschaftszeitschrift überschätzt naturgemäß unser Marketing “Auch in Irrenhäusern, so darf vermutet werden, kennt man Twitter ..?”, aber doch mit Neugier: “… und vielleicht, wenn nicht alles getwittert, gebloggt und geschrieben ist, können wir uns anschließend mal zu einer Art Resumé verabreden? Interessieren würde mich, was Sie erleben, schon.” Bei einem naturwissenschaftlichen Verein ist das Projekt natürlich ganz falsch aufgehoben, dennoch ein skeptischer Verein: “… ich war zunächst geneigt, die e-mail zu verwerfen. Dann packte mich doch die Neugier und ich las das – immer noch hin und her gerissen, ob ich einem Witz aufgesessen bin.” – Nein, sind Sie nicht!

Es gibt aber auch heitere Ablehnung – speziell sowohl bei verbissenen Antipsychiatristen, als auch bei der gegenteiligen Gattung. Gemein haben sie nur zweierlei, nämlich den fehlenden Sinn für Humor und zweitens – ohne uns zu kennen – werden wir als zu normal bzw. gesund für ein solches Vorhaben eingestuft. Mein früher Gedanke, mit einer solchen Idee als irr zu gelten, sei hiermit also widerlegt (auch wenn ich mich weigere, mich als normal, geschweige denn als gesund zu bezeichnen).

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Dass sich in der Komik die Tragik verliert, ist ja nichts Neues – aber ein Leben so ganz ohne Sinn für Ironie ist dann tatsächlich unheilbar tragisch. Jedenfalls ist es eine bloße Unterstellung, wer an einer psychischen Erkrankung leidet und wer nicht. Eine absurde Situation, darüber zu streiten, wer gestörter ist! Wir sind nicht frei von dieser Erfahrung, möchten dennoch als “irre” bezeichnet werden – pathologisch sind aber eher Ansichten wie diese.

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Damit klärt es sich auf – es sei uns eine Ablehnung der Psychiatrie unterstellt! Groteskerweise aber wird uns von den wirklichen Kritikern der Psychiatrie genau das Gegenteil untergeschoben: als wären wir ihr gegenüber zu unkritisch eingestellt – auch dann freilich sind Witze verboten!

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Und dann gibt es noch einen Paranoiker, der sich für einen Arzt hält – und nein, es ist nicht Dr. Fleisch (der ist nämlich wirklich Psychiater!):

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Aber natürlich gibt es auch echte Mediziner und nicht nur Trolle: “Lieber Kurt Fleisch, ich bin angehender Psychiater und finde die Idee gut, sofern das literarisch/ journalistisch entsprechend gut umgesetzt wird. Seriöse Sache, aber mit viel Humor. Ich könnte mir jedenfalls entfernt vorstellen, dass so etwas, wie gesagt wenn top gemacht und nicht aggressiv antipsychiatrisch oder zu klamaukig, was für unseren Verlag wäre [...]”

Interessierte oder Idioten, Kranke oder Gesunde, Angepasste oder Narren, abwartende Presse oder lauernde Verlage – dieses Projekt hat Potential! Unterstützt uns auf Startnext, schreibt einen Artikel, twittert es selbst in die Welt oder hackt den Account Armin Wolfs, um den Link zu teilen! Euch sei gedankt!

… wenigstens die Klatschblätter füllen ihre Sommerlöcher, und Theresa Z. ist längst im Irrenhaus!

sonntag1

Der gute alte Paranoia-Schnelltest!

12. April 2013

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Quelle des Originals: Wikipedia

Auf der Couch

04. März 2013

Als mir ein Psychoanalytiker in der ersten Sitzung eröffnete, dass alles, das während einer Sitzung passieren oder gesprochen werden wird, die Räumlichkeit der Sitzung niemals verlassen und unter keinen Umständen jemals nach außen getragen würde, selbst dann nicht, wenn es sich um etwas moralisch Anstößiges oder gar Kriminelles handeln würde, zog ich sofort meine Pistole, um den Analytiker auf der Stelle bis auf das letzte Hemd zu berauben. In nur einer einzigen Sitzung waren die meisten meiner Probleme mit einem Schlage gelöst, eine weitere war daher nicht notwendig – und auch gar nicht mehr möglich!

Codemoney

09. Januar 2013

CODEMONKEY hatte der grafiker jan immer zu uns gesagt, damals 2001. mittlerweile gibt es dazu sogar einen wikipedia-eintrag: “an expression referring to a computer programmer or other people who write computer code”. das ist ja schon wieder völlig falsch. ich möchte korrigieren: computer code or other code which writes people. und jetzt, ein jahrzehnt später, viel ist passiert, weniges vergessen, wäre ich philosoph, sogenannter. also eigentlich nennt mich niemand so, außer ich mich selbst, wenn ich vor dem spiegel stehe und sage: “na du, philosoph”. am zettel steht’s halt auch, aber bei einer polizeikontrolle zu sagen, was man sein soll, führt ja doch wieder zum nächsten drogentest. und jetzt bin ich schon wieder codemonkey, zettel-philosoph natürlich auch, doch für das bankkonto codemonkey. man kann tatsächlich von der syntaxeinrückung eines codemonkeys auf dessen psychische verfassung schließen. den heute verbreitete west-coast-stil verwenden nur idioten ohne jeden ordnungssinn. die geschwungenen klammern haben in der selben spalte zu stehen! wenn ich einen umfangreichen code übernehmen muss, mache ich tagelang nichts anderes, als klammern auf die richtige position zu verschieben. unerträglich sind menschen, die nach einer zeile aus unerfindlichen gründen noch leerzeichen stehen lassen; das leerzeichen dient einzig und allein der trennung zweier wörter! jahrelange sinnlose aufräumarbeiten. aber als codemonkey hat man auch spaß. man kann sich seine desktop-icons so markieren, dass sie ein muster ergeben. ich habe 192 icons auf dem desktop, und wenn ich nur meine textdateien markiere, ergibt das die form eines revolvers. in den textdateien befinden sich verschiedene notizen und listen: menschen die den tod verdienen etwa. nun hat sich nicht viel geändert (nicht einmal auf der todesliste), abgesehen davon, dass ich ein smartphone besitze. ganz schlau – swipe-texteingabe. das hat einer der codemonkeys von google entwickelt, der ja selbst code ist, offenbar abgeschrieben, damit der computercode uns schreibt, was er jetzt ja tut. das system ist logisch: wird der finger über die tastatur geführt, ohne zu drücken, errät das gerät durch zauberhand das gewollt zu schreibende wort. habe ich erst nur an den wichtigsten worten getestet; diese form der texteingabe erinnert an ein sanftes streicheln: “fut” – wird zu “gut”; aber “muschi” immerhin zur “musik”… bei längeren worten wird es absurder “oaschpudern” wird “orchideen”. so erhalten meine nachrichten zwar die ansprüche zivilisierter wortwahl, doch daraus noch einen sinn herauslesen zu können, muss den debilen unter uns überlassen bleiben; für die psychoanalyse ist damit nichts anzufangen. wir müssen doch den umgekehrten weg gehen. es müsste also ein umkehrungsalgorythmus gefunden werden, der weit mehr noch übersetzt, als ich zu schreiben gedenke – sozusagen ein algorythmus zur psychoanalyse des androiden. falsche worte, also ganz andere, als bewusst gewollt, wählt das system ohnehin, aber nicht mehr mein unbewusstes. damit sind die richtigen, nämlich unberechenbar ungewollt gewollten worte jedoch verschwunden – aus jeder sms. wenn diese fehlausdrücke nun doch auf die genialien beschränkt werden würden, hätte es in den jahren meiner abwesenheit als codemonkey wenigstens eine einzige sinnvolle entwicklung gegeben. aber so? was soll das jetzt sein? android ist ein einziges unterdrückendes, unreflektiertes, neurotisches, ja man möge fast sagen katholisches über-ich! zum teufel damit!

A eh

14. Dezember 2012

Wikipedia: “Das Schicksal oder die Götter bringen den Akteur in eine unauflösliche Situation, den für die griechische Tragödie typischen Konflikt, welcher den inneren und äußeren Zusammenbruch einer Person zur Folge hat. Es gibt keinen Weg nicht schuldig zu werden, ohne seine Werte aufzugeben (was einem tragischen Akteur nicht möglich ist).” – Also doch eine Komödie, aber das wurde ja bereits gesagt, geschrieben und bezeugt!

Air

prometheus 58:45

05. Dezember 2012

In den vergangenen Semestern, zugleich meine vorerst letzten, wurde am Institut für Philosophie versucht, sich einem Thema zwar philosophisch, aber nicht wie üblich ausschließlich über Schrift ergänzt durch Rede in den abgeschlossenen Wänden des Seminarraums zu nähern, sondern sich vor allem auch eines anderen Mediums zu bedienen: der Film. Die Produktion eines solchen, so lautete das Ziel. Auch hier ist die Rede zentral, doch es ist mehr: es ist der Ton der Rede; die Bilder der Gestiken und der Inszenierung; es sind Effekte und Schnitte: eine Positionierung durch bewusstes Weg- und Zulassen. Und es sind viele Positionen, die erst in der Auswahl und Zusammenstellung in einen direkten Diskurs treten können – und das ist ein Risiko, fast schon eine Anmaßung. Wenn PhilosophInnen also einen Film machen… für die meisten von uns mit einer gewissen Naivität… das kann sich doch sehen lassen!

Weitere Informationen und den Film in voller Länge wird es demnächst hier geben: kernkraft.philo.at

Trailer:

51. Brief an Herrn S.

31. Oktober 2012

Lieber Herr S.,

ja ich schreibe Ihnen schon wieder, ohne, dass ich eine Antwort erhalten hätte, die ich auch gar nicht erwarte – nicht, seit Sie nicht wissen, warum ich Sie so lange in Stich gelassen habe; und ohne, dass ich wüsste, ob Sie mein Brief überhaupt erreicht hat. Gott weiß, was mit Ihnen in der Zwischenzeit geschehen ist, Gott schon wieder. Ich habe eine Überdosis Zolpidem und Lorazepam zu mir genommen, um überhaupt sprachlich sein zu können, und dennoch zittere ich am ganzen Körper. Es scheint, und auf das deuten auch meine aktuellen Forschungsergebnisse hin, die möglichst große Betäubung des Hirns ermöglicht erst menschliche Sprache. Das bedeutet aber wiederum, dass das Gehirn gerade dem Wesen nach Maschine ist, während wir mit der permanenten Zerstörung des Hirns erst Sprache ermöglichen! Die Frage ist nur: wie? Denn bspw. die Gier zerstört wohl Hirnmasse, trägt aber dem maschinellen Charakter bei! Nein, lieber Herr S., hier liegt selbst bei meiner Überdosis kein Denkfehler zugrunde. Vor vielen Briefen habe ich Ihnen schon einmal versucht zu erklären, dass wir die Ursache mit den Wirkungen verwechseln, was mich in eine tiefe Krise stürzten hat lassen, da ich mich als Ursache aller Geisteskrankheiten verstand. Der Ihrer, der meiner, und der aller anderen Menschen, also aller Menschen, da ich weltweit der meist beachtete Hirnphysiologe bin. Aber es braucht bloß die Menschen auf offener Straße einmal spontan gefragt werden: “an was denken Sie gerade?” Sofort wird Ihnen klar, wer unter hirnverändernden Medikamenten steht; von allen anderen bekommen Sie nur maschinell gefertigte Fetzen. Ich kann Ihnen sagen, an was ich gedacht habe, bevor ich mir die Überdosierung als Möglichkeitsbedingung, Ihnen schreiben zu können, erlaubt habe: ein wirrer Strom, Wortzfetzen, wie “Abgaskrümmer”, “Schwäne”, “Geld”, “Umsatzsteuervoranmeldung”, “Ficken”, “da steht alles schief”, “Wasser aus?”, “Lobotom vergessen?”, “der Tisch steht definitiv schief, wie alles hier”, “da schreit jemand”, “anzünden, alles anzünden”. Es geht so nicht. Ich kann nicht vor jeder offenen Operation am Gehirn 20mg Zolpidem zu mir nehmen, aber es scheint die einzige Lösung. Die jungen Kollegen nehmen gar 40mg. Mir scheint, je jünger ein Mensch, desto größer die Misthaufen in deren Hirnen. Woher kommt dieser Mist? Überall ist er, dieser Mist. Ich schau nach links und sehe Mist, und schau nach rechts und sehe Mist, vorne sowieso, und wenn ich mich umdrehe, ebenfalls Mist. Umgeben vom Mist, ich stehe auf Mist, und der Himmel ist sowieso Mist. Innen wie außen. Ich verstehe Menschen nicht, die gerne einen so genannten sternenklaren Himmel betrachten – und das machen, soweit ich sehe, alle Menschen gerne. Aber was ist da zu sehen, um Himmels Willen? Um Himmels Willen! Wozu da raufstarren? Ich habe eines Tages hinauf geblickt, um das verstehen zu können, aber seither verstehe ich es noch weniger. Tiefstes Schwarz, unendlich tiefes Schwarz – zum ängstigen. Wollen diese Himmelschauer in diese tiefe, dunkle Unendlichkeit (was ja der Tod wäre, bloß bei mit diesem ohne Bewusstsein… Nichts impliziert auch nicht-Nichts… Gott, wo ist das Zolpidem?!)… wollen sie es also ohne Bewusstsein? Was es wohl noch schlimmer macht. Besser Höllenqualen aber bewusst, denn Nichts, Vernichtung des Ichs… wollen diese Himmelschauer also dorthin befördert werden? Aber vermutlich geht es hier mehr um die Sterne. Sonst könnten sich solche Leute ja gleich den ganzen Tag einen schwarzen Pappkarton vor ihr Gesicht schnallen. Und die Punkte? Die Sterne? Irgendwelche Feuerbälle. Ich kann mir beim besten Willen nicht verstellen, dass auch auf nur einem dieser Punkte ein Irrenhaus zu finden ist. Die meisten bleiben dann aber doch in und auf ihrem Mist sitzen.

Ich weiß nicht, wann ich das erste mal damit begonnen habe, meinen Wecker 3 Mal ab- und anzustellen, was ja noch in Ordnung ist. 6 Mal scheint übertrieben, aber ginge sowieso nicht, denn 3×3 ist 9, somit ist der Wecker 9 Mal ab- und wieder anzustellen. Das war letztes Jahr. Heute stehe ich bei 81. Einer meiner zwangsneurotischen Patienten hat mich offenbar beobachtet, und sich dieses mein Ordnungsritual zu dem seinigen gemacht, dabei auf die Spitze getrieben, die 81 hat er schon in der zweiten Woche abermals quadriert. Er stand täglich pünktlich um 8:30 auf, und begann nach dem Frühstück um 9 Uhr seinen Wecker 6561 Male ein- und auszuschalten. Bis zum Abend war er fertig. Bis zu seinem Tod war er mein angenehmster Patient – völlig klar im Geiste, umwerfend und vor allem reflektiert! Er hatte seine Grüne und konnte sie auch äußern, sogar die Gründe von Störungen anderer konnte er, als wäre er ein Mediziner, erörtern – besser als die meisten meiner studierten Kollegen. Er hat sich also meine Methode, für die es gar keinen Grund gibt, zum Anlass genommen, sie zum Höchsten zu machen, und war dabei gesünder, als wir alle. 6561 mal aus, 6561 mal ein. Ich habe ihn mal gefragt, warum er das denn macht. Er wusste das erste Mal keine Antwort. Eines Abends zerfiel die mechanische Weckeruhr in seinen Händen in alle Einzelteile. Die ganze Station lachte, aber er stand auf, als wäre das lange geplant, ging in die Küche und rammte sich ein scharfes Fleischmesser zwischen seine Augen. Ich stehe noch bei meinen 81 Aus- und Einschaltungen. Wiederholen Sie etwas, Herr S., jeden Tag, aus einem Grund, der wohl ohne Überdosis nicht zu artikulieren ist?

50. Brief an Herrn S.

29. Oktober 2012

Geehrter Herr S.,

es war nichts zu schreiben und es ist nichts zu schreiben. Was soll ich auch schreiben? Was erwarten Sie, Herr S., das ich Ihnen schreibe, wenn Sie wissen, wie ich annehme, dass Schreiben im Grunde genau das Gegenteil meiner eigentlichen Arbeit darstellt. Ich habe in den letzten Monaten, wie schon die letzten Jahre auch programmiert: Maschinen und Gehirne, was naturgemäß ein und dasselbe ist – um das feststellen zu können, muss man nicht der größte Physiologe unserer Zeit, ich, sein. Aber das hat mit Schreiben oder Sprechen nichts mehr zu tun, lieber Herr S. Was soll ich da denn schreiben? Das zu Programmierende als das zu Schreibende ist immer schon vordefiniert – andernfalls syntax error oder Hirnschaden, Maschinenhirnschaden – da kann ich gleich zur Lobotomie ansetzen, um mir den Schrieb zu ersparen. Was hätte ich also schreiben sollen, mein guter Herr S.? Ist Ihnen nie in den Sinn gekommen, dass sich Ihr Geisteszustand durch meine Briefe fortlaufend verschlechtert hätte? Ich therapiere, programmiere, repariere Ihr wertvolles Gehirn und zerstöre diese Arbeit auf der Stelle wieder durch einen Brief. Nebenbei, diese Zerstörung betrifft nicht nur Ihres, sondern ebengleich auch mein Gehirn. Fortlaufend! Fortlaufende Nummern der Zersetzung, 50. Brief. Das Performative meiner Hirnmaschinenprogrammierungen kann also niemals etwas Andersartiges, als das immer schon Festgelegte hervorbringen, da in dieser Arbeit nichts anderes als das immer schon Festgelegte existiert – abgesehen von dem angesprochenen Hirnschaden, ein nicht definierter, ja nicht definierbarer Zustand geistiger Verkrüppelung: kernel panic – brain panic. Das liegt im Charakter der formalen Sprache, wie Sie sich denken können, Herr S. brain panic: das ist Ihre Angstneurose, Herr S., oder war es doch die meine? In jedem Fall ist es Ihr Hirnschaden, in jedem Fall sind es die Hirnschäden, die dort zu finden sind, wo gesprochen wird, wo geschrieben und gelesen wird, soferne das syntaktisch oder semantisch Unverständliche nicht schon von vornherein durch therapeutische Maßnahmen, wie etwa meine Programmierungen oder jene der Gesellschaft oder bestenfalls medikamentöse, in etwas willkürlich Verständliches (wenn auch Widersinniges) gebracht wird, oder gänzlich verboten würde. Sie sehen, mein guter Herr S.: es ist nichts zu schreiben, es war nichts zu schreiben. Es sei denn, ich missachte mein Berufsethos – setze zwar fort das Lobotom an, stoße die Puppen auf ihre fließenden Bänder, während ich Ihnen, mein treuer Herr S., schreibe: ganz und gar unverständlich, zum Preis meiner Angst und Ihres Wahnsinns – irreversibel gen Nichts. Es war nichts zu schreiben und es ist nichts zu schreiben, Herr S. Ich werde Ihnen wieder schreiben.

Ihr Herr H.

Android + debian chroot

20. Oktober 2012

Nagut, nachdem Nokia maemo/meego fallen hat lassen, und sich mein N900 langsam aber stetig auflöst, bin ich nun doch auf ein Android umgestiegen. Wenn schon, dann ein Nexus und das letztjährige ist schließlich derzeit recht günstig zu haben. Meine Anforderungen – nämlich root-Rechte und einen SSH-Server – sollten damit wohl erfüllbar sein, dachte ich, bis ich merkte, dass der darauf lauffähige SSH-Server (dropbear) kein SFTP unterstützt, was aber notwendig ist, um das Nexus in meine Desktop-Umgebung einzuhängen (via Nautilus: GVFS oder SSHFS). Und openssh? Hat noch niemand geschafft auf Android zu kompilieren, soweit ich sehen kann. Also richte ich mir doch eine debian Umgebung mittels chroot ein – das hat auch gleich den Vorteil, jede verfügbare Software aus dem umfangreichen debian-Pool installieren zu können; wichtig für mich vor allem: bash und openssh-server. Erforderlich ist natürlich ein Android mit root-Zugriff und installierter busybox!

Die Anleitung. Für das Erstellen des Image, habe ich mich hier orientiert: http://www.saurik.com/id/10.

1. Image erstellen

Wem das Erstellen zu mühsam ist, oder die Möglichkeit dazu nicht hat, kann gleich zum 2. Punkt springen und das von mir erstellte Image und Script verwenden.

Zunächst die Frage nach der Größe. Ich wähle wie saurik auch 750MB – das sollte für eine umfangreiche Konsolenumgebung genügen. Mit debootstrap lässt sich ein debian-Grundsystem in einem Verzeichnis installieren. Also auf einem debian/ubuntu/wasauchimmer System:

Das Image “debian.img” wird ins root des SD-Speichers kopiert. Weiter geht es am Handy selbst (bequemer per adb-shell oder ssh: normaler ssh-login geht ja mit dropbear immerhin). Das debian System mounte ich nach /data/local/debian:

Damit ist das Image auch schon eingehängt. Sinnvollerweise empfiehlt saurik noch das Setzen einiger Umgebungsvariablen. Danach kann die Installation von debian abgeschlossen werden:

devpts, proc und sysfs muss ebenfalls gelinkt werden:

Danach kann können wir die bash-shell innerhalb der neuen Umgebung starten:

Einmalig müssen jetzt einige Einstellungen gesetzt werden: Ort der Paketquellen (ich wähle debian sid), mtab verlinken, root-Passwort setzen (notwendig für SSH-Login), hostnamen setzen:

Da ich in der Umgebung auch auf die Daten des Android-Systems zugreifen will, sind die Verzeichnisse anzulegen, die später gemountet werden:

Auch die Zeichensatz- und Tastatureinstellungen, sowie die PATH-Variable sind einmalig zu setzen/konfigurieren:

Und schließlich noch die Software installieren, die wir wollen. Bequem über aptitude, oder schnell per apt-get; danach aufräumen. Ich wähle:

Das wars. “exit” um wieder in die Android Shell zu gelangen. Um auf die angesprochenen Partitionen “system”, “factory” und besonders “data” zugreifen zu können, müssen wir sie in das debian-chroot mounten (von außerhalb):

2. Image ein- und aushängen, SSHD starten, Automatisieren

Nach einem Neustart sind die mounts natürlich verloren. Neuerliches Ein- und Aushängen soll also möglichst einfach und schnell ausführbar werden…

Die Kommandos des künftigen Einhängens lauten wie folgt:

Die Daten des “sd-storage” befinden sich (zumindest auf dem Galaxy Nexus) dann unter “/data/media”.

BASH starten, SSHD starten und stoppen:

Und um das Image wieder auszuhängen:

Einfach:

Das könnte man jetzt in einzelne Shell-Skripte speichern. Da es aber ohne Hardware-Tastatur mühsam ist, selbst einzelne Scripts zu starten, wäre es komfortabel, eine GUI zum (un)mounten des Images und zum Starten verschiedener Programme innerhalb der debian-Umgebung zu programmieren, damit man sich um das oben geschriebene gar nicht mehr kümmern muss. Ich habe als quick&dirty-Lösung ein kleines Shell-Script geschrieben, das das wichtigste per Knopfdruck ausführt. Dieses rufe ich gleich mit root-Rechten als “Shell” des hervorragenden Android Terminal Emulator auf, dabei muss allerdings der “Startbefehl” leer bleiben:

Downloads:

tools.sh – speichern unter /data/local (wenn du sie zuerst auf das sdcard-Verzeichnis speicherst, verschieben: “mv /storage/sdcard0/tools.sh /data/local” … dann ausführbar machen: “chmod 700 /data/local/tools.sh”

debian.img – für die, die kein eigenes Image erstellen wollen: das nach der Beschreibung erstellte debian sid (tagesaktuell vom 20.10.2012). Speichern unter: /storage/sdcard0. root-Passwort (etwa für ssh-login) ist “fotze” – einfach zu ändern mit “passwd”.

Per Tastendruck lassen sich also damit das debian-Image mounten (m) bzw. unmounten (u); der openssh-server starten (s) bzw. stoppen (k); die Shell von Android (a) bzw. die bash innerhalb des debian-chroot (d) starten, und anderes schnell ausführen ohne viel Tipparbeit. Ja sogar ettercap funktioniert ohne Einschränkungen :-)

Das sieht dann so aus:


Anmerkung: auch bei aufrechter SSH-Verbindung über WLAN geht dieses offenbar sehr schnell in einen Energiesparmodus, womit die Verbindung sehr langsam wird. Das kann (zumindest am Galaxy Nexus mit Android 4.1) dadurch verhindert werden, indem man das Display anlässt.

Viel Spaß!