Es ist Samstag, kurz vor 20 Uhr, als ich einen Parkplatz im 8. Bezirk suche. Ich beobachte zwei Menschen, die gerade in ihr Auto einsteigen. Also Blinker raus, am rechten Fahrbahnrand warten, bis die Herrschaften ausgeparkt haben – hinter mir eine Polizeistreife, die mich mit Lichthupe (offenbar haben diese den ausparkenden Wagen nicht wahrgenommen) zum weiterfahren auffordert. Ich – nüchtern und keiner Schuld bewusst – deute mit den Finger auf den Wagen, um zu zeigen, dass ich mich einparken möchte. Gezeigt, getan, ich parke ein. Glücklich über den Parkplatz, und gelassen beobachte ich also die Beamtin, die nun auf mein Wagen zugeht: ich kurbel mein Fenster runter: “Fahrzeugpapiere!”. Da ich eine Zigarette in der Hand halte, welche ich brauche, um meine Papiere aus der Tasche zu holen, stecke ich die Zigarette in meinem Fahrzeug sitzend in meinen Mund, um der Dame meinen Führerschein zu überreichen mit den Worten: “ich habe hier nur gewartet, um einzuparken”, worauf die Antwort kam “Mit der Zigarette im Mund spricht man nicht, steigen’s aus!”. Ausgestiegen wurde ich auch sofort aufgefordert, die Zigarette aber auf der Stelle auszumachen (warum eigentlich?). “Ja und, hamma nicht was vergessen – die Markierung im Führerschein, ha? Da fehlt doch was!” Ich, jetzt ohne Zigarette: “Bitte?” … schweigen… Geistesblitz! Weiter ich: “Ach das meinen Sie – die Markierung bedeutet, dass ich mit Brille ODER Kontaktlinsen fahren muss” (hatte ich extra genau so eintragen lassen) “… und die Kontaktlinsen trage ich jetzt.” Es folgt das Ritual der Apotheke, des Pannendreiecks, der Warnwesten (wusste ich gar nicht, dass diese im Stadtgebiet mitzuführen sind). Jedenfalls alles im Bus – als ich das Pannendreieck aus dem Kofferraum krame, folgt die Aufforderung die Seitentüre zu öffnen, die ich nicht verstehe, da ich mit dem Kopf im Kofferraum stecke. Wieder “Bitte?”. Die Beamtin: “Öffen’s die Türe!”. Ich öffne die Türe. Ein Blick, ein Kommentar: “Das Kastl geht so nicht!” (Anm.: ich fahre einen VW-Bus, in dem hinter dem Fahrersitz ein Safe mit der Bodenplatte verschraubt ist (4x Stahl-Gewindeschrauben 15mm Stärke), und auf dem wiederum ein kleines Regal aus Laubholz(!) verschraubt ist – nicht höher als 50cm). Fassungslos erteile ich die Auskunft: “Beim Pickerl wurde es jedenfalls angenommen”. Im Glauben, dass nun alle möglichen Gesetzesübertretungen ausgeräumt sind, und darauf wartend, dass ich nun endlich entlassen würde, folgt dann der Anfang der Unglaublichkeit: “Und, was habens g’raucht?”. “BITTE?” “Ihre Augen sind gerötet.” “Ich sagte Ihnen, dass ich Kontaktlinsen trage, es ist Nacht, und ich habe sie lange drin – da kann das schon sein.”… “Außerdem, ihre Pupillen: die sind viel zu groß.” “Es ist Nacht, es ist dunkel! Ich habe nichts geraucht.” “Ich wurde schon oft angelogen. Wissens, Sie haben kein Benehmen”… Ich wieder: “Wie bitte?”… “Mit der Zigarette im Mund spricht man nicht.” … “Ähm, ich werde wohl in meinem Bus rauc…” … “Was haben’s für Medikamente genommen?” … “Bitte??? Keine! Und ich habe auch nichts geraucht!” … “Das wird der Amtsarzt feststellen – also, was habens genommen?” “Ich habe nichts genommen oder geraucht!” “Sie sind unharmonisch” … “?!?” … “Ich kenne Leute wie Sie, ich wurde oft angelogen!” Ich langsam genervt: “Sie können mich noch 10x fragen, es ändert nichts daran, dass ich nüchtern bin. Aber das wird jeder Test bestätigen.” – Forsch: “SAGEN SIE MIR NICHT, WIE ICH MEINE ARBEIT ZU MACHEN HABE – WIR NEHMEN SIE MIT! Ich erkläre Ihnen jetzt, wie das läuft!!!” Ich wieder: “Ich bin wirklich nüchtern – lalle ich? Wirke ich langsam?” “Mir gefallen Ihre Augen nicht” …. ich halte mich zurück.
Es geht weiter – ein paar Zuschauer gibt es schon: “Stellen Sie sich auf ein Bein!” – ich folge. “Schauen Sie auf meine Nasenspitze!” – ich folge, Taschenlampe blendet mich, ich blicke kurz weg… “AUF MEINE NASENSPITZE HABE ICH GESAGT!” … ich folge wieder. “Nein nein, ich mache den Beruf seit 20 Jahren – was haben Sie geraucht?” Ich wieder: “Ich kann Ihnen nur sagen, was der Fall ist – nichts!” … “Das sagen alle, mir gefallen Ihre Augen nicht.”… ich halte mich wieder zurück. “Von mir aus, der Test, wird bestätigen…” – “ERKLÄREN SIE MIR NICHT MEINE ARBEIT! Wir fahren! Taschen ausleeren, zeigen!” Gesagt, getan. “Haben Sie ein Messer einstecken, oder andere Waffen?” … ich darf einsteigen.
Auf der Rückbank, ein letzter Versuch: “Entschuldigen Sie, Sie können, wenn Sie wollen, meinen Vater anrufen, der ist ein Kollege von Ihnen (Anm.: mein Vater ist tatsächlich Polizist), und ihn fragen, ob ich irgendwelche Drogengeschichten laufen habe….” Keine Reaktion…. Ich weiter: “Ähm, haben Sie mich gehört… meine Frage?”… “ICH KANN IHNEN NOCHMALS ERKLÄREN, WIE DAS HIER LÄUFT… MIR GEFALLEN IHRE AUGEN NICHT!”… Ich: “War nur eine Frage, die mit ja oder nein…” Wir fahren…
Die Gespräche haben sich bis dahin nur zwischen der Beamtin in mir abgespielt – der zweite Polizist, mir schien, er war ebenso genervt von diesem Vorgehen, sagte kein Wort.
Im Wachzimmer, Alkohol 0.0 – das durfte der Kollege überprüfen, dann wieder die Beamtin: “Die Amtsärztin kommt gleich… stellen Sie sich nun auf ein Bein, das andere strecken Sie gestreckt nach vorne!” Ich, schon mit meinen letzten Nerven, versucht jede Wut zu unterdrücken, angespannt… folge. (Muss eine Yoga-Übung sein – die auffordernde Beamtin hätte diese Übung jedenfalls nicht geschafft!) “Und nun, Augen zu!”. Ich folge… Nach einigen Sekunden, auf einem linken Bein stehend, mit durchgestrecktem Rechten in der Höhe bei geschlossenen Augen, beginnt die Körperspannung zu zittern “AHA! SIE ZITTERN JA”. “JA! Langsam bin ich auch angespannt und nervös!” “DIE PUPILLEN SIND IMMER NOCH GROß”… hach. “Wann kommt die Ärztin?”… “Gleich!” Ich sitze und warte. “Diese frustrierte, paranoide Schachtel… Ihnen geht es ja nur darum, mich zu schikanieren von Anfang an. Wenns das Pannendreieck nicht ist, und auch kein Alkohol, dann machen wir halt die ganze Demütigung!” … Nein, das habe ich nicht gesagt, sonst hätte ich die Nacht dort verbracht – was fällt mir auch ein, in meinem Wagen zu rauchen und zu behaupten, ich würde nichts illegal rauchen! “Was machen’s eigentlich?” Student auch noch! Und der rote Stern am VW-Bus!
Es geht weiter. “Krankheiten?” “keine” “Medikamente?” …. Was geht die das an? Nebenher Abfrage im Computer, der aber nichts ausspuckt – verdammt! “Und, können wir schon aufs Klo gehen, dann sind wir schneller fertig, wenn die Ärztin da ist!” Ich: “Bitte, von mir aus” (noch im Glauben, ich dürfte alleine aufs Klo). “Leeren Sie zuerst alles aus Ihren Taschen aus, und legen es hier hin.” Ich räume Handy, Brieftasche, Schlüssel, Zigaretten auf den Tisch. “Sind die Taschen jetzt alle leer??? Sicher???” Ich taste mich selbst ab: “JA!”, während ich hoffe, nicht abgetastet zu werden, weil ich in einer Tasche noch ein von meinem Arzt verschriebenes Medikament einstecken habe, das aber niemanden etwas angeht, solange es nicht in meinem Magen ist, während ich am Steuer sitze, sondern in meiner Hosentasche. Die Beamtin hätte es ohnehin sofort als LSD, Opium oder sonstiges identifiziert nach 20 Jahren Erfahrung, auch wenn es nur mein Kopfwehpulver war! Ich werde zwar nicht durchsucht, aber der männliche Beamte (der im Vergleich zu seiner Kollegin sehr korrekt war) war wohl verpflichtet, mich beim Urinieren zu beobachten. Ich packe also aus und drücke – Blase leer. “Ähm… also mit leerer Blase in dieser angespannten Situation, wenn Sie noch dazu neben mir stehen… also das wird nicht funktionieren.” Wir gehen wieder raus, Beamter zur Beamtin: “Momentan nicht möglich.” Beamtin: “A-HA!”… Ich: “Wann kommt die Ärztin?”… Beamtin: “In 5 Minuten”… Eine weitere Dreiviertelstunde vergeht… “Darf ich telefonieren?…” Wenigstens das…
Endlich kommt die Ärztin, sucht den Junkie, findet ihn nicht, schaut dann zu mir, und sagt, sie kommt gleich. Ich darf dann meine Venen vorführen (Überraschung! Keine Einstichlöcher! Komisch!). Meine Pupillen werden ausgemessen und mit jenen eines Beamten verglichen! (Seine sind nur 2mm kleiner – DIESER KIFFER! UND DAS IM DIENST!) Dann kann ich endlich unter Beweis stellen, trotz meines unglaublichen Drogenrausches noch ein Zeitgefühl zu haben: ich habe eine halbe Minute geschätzt… mein “STOP” war allerdings bei 32 Sekunden und nicht bei 30… naja, fast. Meine Finger habe ich getroffen mit geschlossenen Augen (das schaffe ich normal nie – aber ich liebe ja die Herausforderung), und die Nasenspitze auch (wie auch schon zuvor auf der Straße vor Publikum, als auch am Wachzimmer vor versammelter Mannschaft und vor dem Asylwerber, der eigentlich Mistelbach nie verlassen hätte dürfen und in der Josefstadt nichts verloren hat, wie ich dort erfahren habe; er durfte dennoch gehen: die Beamtin im falschen Beruf habe ja ich erwischt – zum Glück: mich kostet sie nur Zeit und Nerven, dem Asylwerber möglicherweise sein Leben). Ob ich Schlafpulver nehme, wollte die Ärztin dann wissen. Ehrlich, wie von Anfang an, gab ich zu Protokoll, dass ich vor 3 Tagen eines genommen habe. “AHA!” (Wirkt wohl noch nach!) Ich buchstabierte den Wirkstoff, anschließend den Markennamen. Die Ärztin wendet sich zum Computer und gibt das ganze in Google ein (!!!!!). Ich, trotz meines massiven Drogeneinflusses erkenne, dass sie Ärztin den Wirkstoff nicht richtig schreiben kann, und korrigiere sie – nun findet sie ihn endlich. Im lustigen Betäubungsmittelhandbuch blättert sie dann eine Zeit lang, gibt es dann aber auf. Obwohl ich, als Dr. Fleisch, mir sicher bin, dass es dort zu finden ist… Ich habe aber auch vor 48 Stunden ein kleines Bier getrunken – die Halbwertszeit des Alkohol ist nicht zu unterschätzen, daher habe ich das verschwiegen! Nun durfte ich noch einige lustige Linien nachzeichnen, mit geschlossenen Augen gehen, usw. usf. Als Junkie bin ich irgendwie nicht durchgegangen, warum auch die Beamtin, die mich schikanierte beim 2. Test schon verschwunden ist.
Am Ende kamen dann doch beide wieder – es wäre “ihr Beruf” unauffällige Leute, die große Pupillen haben, aufs Wachzimmer zu schleifen. Einmal, und das hatte sie mir schon im Auto erklärt, wurde dadurch eine unerkannte Augenkrankheit eines potentiell Drogenabhängigen entdeckt – der war ihr dann dankbar… angeblich (in dem Moment der Erzählung dachte ich tatsächlich, ich sei irgendwie auf Drogen). Na, ich glaube, mit meinen Augen ist alles in Ordnung, bloß nicht mit dieser Beamtin. Es gab aber auch einen ausgesprochen lustigen Moment (wobei das ganze Theater natürlich auch wieder absurd-komisch war), nämlich, als einer der Beamten einen privaten Handy-Anruf erhielt – sein Klingelton war die Sowjethymne. Dieser Beamte hätte mich nicht schikaniert, wenn er einen VW-Bus mit rotem Stern sieht.
Zu unser aller Überraschung hat schließlich die Amtsärztin – es war mittlerweile nach 22 Uhr – festgestellt, ich sei tatsächlich fahrtauglich und hätte keine Drogen zu mir genommen (ich war zu dem Zeitpunkt schon im festen Glauben, ich würde als Junkie verhaftet und am Folgetag als Schizophrener eingewiesen…). Zwar würde ich jonglieren können, sei ein Yogi, könnte Karriere sowohl als Seiltänzer, als auch als Logotherapeut oder Rhetoriker machen, doch die 2mm größeren Pupillen als die des Vergleichs-Menschen (der schweigende Beamte), konnten meine Drogenabhängigkeit nicht nachweisen!
“Und, wie komme ich jetzt zu meinem Auto?” – “Ach, gehen’s einfach die Gasse runter – so weit ist es ja nicht, und ich hab jetzt keine Zeit”, sagte mir die feine Dame von Freund und Helfer. Ich hatte es längst schon aufgegeben, irgend etwas gegen diese Vorgänge zu sagen, und sagte nur “Danke, auf Wiedersehen”. Schön nur, dass ich mich kurz vor meiner Abfahrt frisch gebadet, rasiert, gewaschen, Zähne poliert habe… Deo und Parfum aufgetragen, meine Lieblingshose, meinen frisch gewaschenen Pulli angezogen… also alles, was man machen muss, um wie ein Junkie zu wirken. Ich war schließlich am Weg zu meiner Lieben… Nach 3 Stunden Polizeischeiße war nicht mehr viel vom Abend übrig – die Party war vorbei…
Ich habe mir jetzt zwei Bier rein geleert, und eine Schlaftablette genommen – jetzt von mir aus… aber wer sitzt jetzt im Auto? Willkür! Schikane! Terror!
Danke liebe Beamtin aus der Polizeidienststelle Wien Josefstadt! Sie sind bestimmt auch unter Ihren KollegInnen und AmtsärztInnen sehr beliebt!