Wienzeile #66

11. März 2014

Wienzeile 66Heute erscheint das supranationale Magazin Wienzeile in ihrer 66. Ausgabe und es freut mich natürlich, dass einer meiner „Rauschtexte“ dort Platz gefunden hat, schließlich lautet das Motto „AKUT“ (und auch die Faust passt)!

Die Präsentation dazu findet heute am 11.3. um 19 Uhr im Elektro Gönner statt. Es lesen: Kerstin Putz, Ines Birkhan, Gesche Heumann, Reimo Wukounig und ich. Details dazu hier: http://wienzeile.cc/news/48/.

Jedenfalls sollte die Wienzeile gekauft werden…

Ein Arzt

29. Dezember 2013

Ein angesehener Arzt mittleren Alters wurde spätnachts von der Frau des emeritierten Professors angerufen, die in größter Aufregung um Hilfe bat, da es „schon wieder angefangen hatte“, wie sie sagte, „diesmal noch schlimmer“. Der Arzt sicherte zu, sich unverzüglich auf den Weg zu dem Haus des Ehepaars, das entlegen, weit außerhalb der Stadt direkt am Waldrand lag, zu machen. Eine halbe Stunde später öffnete die Frau dem Arzt die Türe – „er ist im Schlafzimmer“. Der Arzt fand den Professor im Bett sitzend vor, seine Augen weit geöffnet, das Nachthemd von Schweiß durchtränkt. „Wie fühlen Sie sich?“, fragte der Arzt. „Sehen Sie aus dem Fenster, dann werden Sie es verstehen.“ Der Arzt ging zum Fenster, und sah in die Nacht. Er öffnete es, und sein Blick wanderte aufmerksam von links nach rechts, von unten nach oben. Doch er konnte nichts sehen, bloß die Dunkelheit der Nacht und einen klaren Sternenhimmel. „Und, was sagen Sie?“ „Nichts, da ist nichts“, antwortete der Arzt. Der Professor stand auf, blieb vor dem Fenster stehen und deutete hinaus. „Sehen Sie doch! Da ist es, direkt vor Ihren Augen!“ Der Arzt schüttelte den Kopf. „Was sollte ich denn sehen?“, fragte er. „Also das ist doch nicht zu übersehen – sind auch Sie verrückt geworden? Nun sehen Sie doch! Sie sind doch genauso verrückt. Alle meinen, ich sei verrückt, dabei sind Sie genauso verrückt, wie all die anderen, wenn Sie das nicht sehen können!“ Die Frau, die an der Türschwelle stand, sah den Arzt sorgenvoll an. „Was meinen Sie, Herr Doktor?“ „Dasselbe wie das letzte Mal, nicht Frau Professor?“ „Ja“, sagte sie. Der Arzt verabreichte dem Professor ein Beruhigungsmittel, und versprach, am nächsten Abend nochmals vorbeizuschauen, um die weiteren Schritte zu besprechen. „Wird das wieder aufhören?“, fragte die Frau. Das könne er noch nicht sagen, doch es werde sich schon ein Weg finden, so der Arzt, bevor er sich verabschiedete. Der Arzt fuhr am Heimweg entlang des Waldes, als er vor der Kurve, die am Horizont vom Schlafzimmerfenster des Professors aus gerade noch zu sehen war, seinen Wagen anhielt. Er stieg aus, holte aus dem Kofferraum eine Pistole, und erschoss sich ohne zu zögern mitten auf der Landstraße. Am nächsten Morgen brachte die Frau des Professors das Frühstück ans Bett. „Wie geht es dir?“, fragte sie. Der Professor stand auf und ging zum Fenster. „Nichts, da ist nichts. Es ist nichts zu sehen“, sagte er.

Herbst statt Moldau

27. Oktober 2013

Hurra! 720p, 120fps auf 30fps – und „SuperView“. Da tanzen die Blätter!

Warum ich nachts zu Boden blicke!

01. August 2013

die kinder der menschheit fallend aus unseren fenstern gehen nicht aus dem kopf, als hätte ich selbst gestoßen, zugleich selbst kind bin. keines fällt hinab, um seinen körper vom beton zerfetzen zu lassen, schlimmer noch, fallen sie endlos hinauf in den schwarzen himmel. der sinn des fallens in die tiefe liegt im aufschlag, soll heißen, gerade nicht im fallen, sondern in seinem ende. der sturz nach oben ist die real gewordene sinnlosigkeit, schon angedeutet im bloßen wahrnehmen des nicht zu fassenden sternenhimmels der dunkelsten sommernacht. und doch, ein blick in die vergangenheit, lang verglühte sterne zeigen sich immer noch, mehr noch, erst viel später. die hand gottes, die dich greift, umgeben von deinen nichtigkeiten, dich hinausschleudert ohne möglichkeit eines halts, eines haltens, bis dieser ort hier von einem augenblick zum nächsten vom punkt eines lichts zum nichts wird, wirft dich gnadenlos in die vergangenheit und zukunft zugleich. deine dich ausspuckende welt zerfällt mit einem schlage, erstarrt im rückblick so rasch wie das licht befördert. erstarrt in der dunkelheit des todes. vergangene unendlichkeiten stehen still im hineinfallen in sie selbst. die zeit ist verloren, das kommende bleibt das gewesene, und dieses löst die zukunft auf. beides rast in sich zusammen, das fallen der menschheit ist ein fallen ohne zeit und ende. das verwesende wirst du gewesen sein. doch nur für andere.

dies ist kein text

25. Juli 2013

alles versucht in den letzten zwei jahren, zwecklos. kürzlich den hinweis erhalten, dass gewisse stoffe ihren wirkstoff erst über den darm entfalten. jahrelang nicht darüber nachgedacht, und nun die vorstellung: zuerst in den mund, schlucken, über den rachen zuerst in den magen und erst dann irgendwann in den darm, von dort der wirkstoff in mein blut, das mein herz schließlich in mein hirn pumpt. jahrzehntelang nie in den sinn gekommen. also kotzen und dann schlucken. wie sich das liest: kotzen und schlucken – eigenschaften einer modernen frau. alles versucht in den letzten zwei jahren, aber keinen text produziert. keinen inhaltsvollen text, keinen inhaltsleeren text, keinen formschönen text, kein unförmliches wortchaos. nichts. aber alles versucht. immer nur alles versucht, aber nichts produziert. wären die versuche selbst ein text, dann ja, aber keinen text produziert. alles versucht: arbeit: ermüdend, liebe: zwecklos, leiden: kitschig, tabletten: vom schwachsinn zum hangover. vermessen zu sagen, ich hätte alles versucht. nein, ich habe gar nichts versucht. arbeit wegen den umständen. liebe hat mich versucht. es hat gelitten in mir. nungut, für die tabletten übernehme ich die verantwortung. doch das mit dem darm – wer hätte das wissen können? jahrelang geglaubt, berauscht zu sein, während ich nüchtern war, jahrelang mich dann nüchtern gefühlt, als ich endlich dem rausch unterlegen war. alles versucht, in mir. immer noch, und schon wieder kein text hier – ein text des textes wegen, mehr nicht. meine eigene sprache liegt vor mir wie ein verkrüppelter wachkomapatient. keine worte, keine rhythmik. warum kein tourette? das ist meine spur! alles gesucht in mir, alles versucht mit mir, alles verflucht. aber wie oft bin ich früher in einer massenvorlesung gesessen, als mir plötzlich ganz heiß wurde, und das gefühl hatte, ich müsste augenblicklich aufstehen und „halts maul du fotzeeee!“ herausbrüllen. nie getan, hoffe ich. oft überlegt, ob nicht doch. aber nein, leider kein tourette, bloß eine vorstellung – eine sehr schöne. letztens gehört, direkt: „das opfer fordert den täter heraus“ – das nenne ich schwachsinn, größtmöglicher, dümmster schwachsinn, der im moment seines ausdrucks, wenn auch nur in diesem einen fall, aber doch in diesem fall vom schwachsinn zum wahrsinn wird – gleich in den kopf schießen. was, wenn nicht dieser sprechakt sollte eine herausforderung sein, ein opfer zu produzieren. insofern bezeichne ich ab sofort all jene, welche solche sätze produzieren als freiwillige opfer, selbstmörder. das ist meine spur. denn sprechen funktioniert – das performative, unmittelbare ist nicht zu bändigen und da, immer da. immer da, ja sogar dann mit emotionen, ausbrüchen, und – maria im himmel verzeih! – aggressionen! gewissen menschen mit einer gut geschärften kleinen axt ins genick zu schlagen, gerade so, dass es bricht; der schädel darf gerne dran bleiben. am rande dazu eine anmerkung: es gibt in meiner parallelgasse jemanden, der jedes mal, wenn ich mit meinem vw-bus in dieser gegend parke, und tatsächlich jedes mal! – ich parke selten dort aus diesem grund, vier mal in diesem jahr, und vier mal das selbe – … der also jedes mal einen seitenspiegel meines vw-busses abreißt – meist gehsteigseitig. also hier zum beispiel: parken, warten und ein kleiner schlag von hinten mit der hacke ins gnack. (falls betroffene person dies zufällig liest: nicht, dass sie mir dann mit ihren letzten worten kommen, sie hättens nicht gewusst!) gäbe noch viele andere… so manch ein nachbar; jeder besoffene, der vor meiner tür uriniert; prinzipiell alle, die nicht fähig sind, einen sinnvollen satz zu produzieren; vertreter, besser gesagt: alle, die unangekündigt an meiner türe läuten, aber insbesondere vertreter: kirchenvertreter – hier sagt der begriff ja schon alles; versicherungsvertreter; verkäufer; generell verkäufer, die sich dem modell eines pyramidensystems bedienen – verachtenswert; speziell herbalife verkäufer, die ihre diätpillen in achtunddreißig verschiedenen yogastudios magersüchtigen kindern verkaufen, nebenher verkäufer fürs verkaufen zu gewinnen, um ganz frei von deren moral mitzunaschen. „mit“-zu-naschen scheint generell ein phänomen bei verkäufern zu sein. also geld: all jene, die etwas nur, d.h. ausschließlich wegen geldes tun: ins genick mit der hacke. hier vielleicht sogar: kopf ab, anlaufen, durchziehen – ein schuss bis in den letzten rang hinauf!

das ist meine spur! und jetzt, da mein magen gerade leer ist, ein schlafmittel, damit der zweite absatz etwas flüssiger wird… und eine rauchpause bis zum darm. sollte doch schneller gehen… mal sehen. als selbstkritischer geist, kann ich freilich jetzt sagen, dass dieser schwachsinnigste, dümmste satz „das opfer fordert den täter heraus“ neben dem genannten einzigen fall, wenn der sprecher dieses satzes wegen dieses satzes zu einem opfer werden muss, auch in den oben genannten fällen stimmen könnte. also wenn ich endlich all diesen leuten das genick brechen bzw. ihnen ihren kopf abschlagen werde, könnte durchaus gesagt sein: sie hätten es herausgefordert. kann man aber nicht, denn sie sind zuerst einmal die täter. die opfer sind andere, ich bin bloß der henker. um das jetzt aber doch noch weiter – lächerlich – zu relativieren, vermutlich allein deshalb, weil morgen keine polizei an meiner türe läuten sollte, denn oben ist schließlich beschrieben, was mit jenen passiert, soll gesagt sein: ich besitze noch keine hacke! und um die wahrheit zu lügen: ich würde mir auch keine kaufen – zumindest nicht für diesen zweck. doch es ist die spur. sie kommt auch ohne verbrechen aus. eine sprache, die sich im wachkoma befindet – nach wie vor, denn auch dies ist kein text – kann auch heftig geschlagen und getreten werden, bis sie vielleicht zurückschlägt und zurücktritt. wie es im sprechen funktioniert, sollte erst lauter gesprochen werden. wie man sich liebt, sollte erst richtig gefickt werden. und wo es schwachsinnig zugeht, sollte erst ein „halt dein maul, hurenkindfotze“ genügen dürfen.

doch es ist wieder verkampft, es ist wieder wortlos, es ist wieder ohne rhythmus. es ist wieder kein text. und die geschichte mit dem darm? nichts zu merken. neue drogen? ist es das? neue drogen – neue sprache? oder briefe an die eltern statt an herrn s.? was inspiriert denn überhaupt noch in einer solchen scheißwelt? wenn der DJ-index abstürzt? verkrüppelte menschen, die sich nie ändern? nie! umgeben, täglich, ständig, von der größten scheiße, permanent, überall. steh ich letztens in kaisermühlen, rechts bei kaisermühlen verkrüppelte, besoffene menschen; links neue, hohe, tote betonhäuser menschenleer – sofort kotzen und 2mg schlucken! aus dieser zeit kann alles produziert werden, bloß keine texte mehr… nicht ohne neue spur…

Ist eine eine Neurose? Ist es eine Psychose?

26. Juni 2013

Als ich letztens zum Burgtheater ging, fragte ich, ob es denn noch Stehplätze für das Stück „Ist eine eine Neurose? Ist es eine Psychose?“ von Thomas Bernhard gäbe. Von einem verwunderten Blick begleitet, erhielt ich meine Eintrittskarte. Acht oder zehn Wochen später, suchte ich wegen eines psychiatrischen Problems einen fachgemäßen Arzt auf. „Und“, fragte ich, „was ist es?“ – „Ein Komödie“, antwortete er.

Nietzsche und epub?!

14. Mai 2013

Auf der Suche nach freien e-Books von Friedrich Nietzsche finden sich einige natürlich auf www.gutenberg.org in allen möglichen Formaten. Diese sind jedoch völlig unbrauchbar, da hier Nietzsches Hervorhebungen (Sperrsatz) nicht enthalten sind. www.nietzschesource.org ist hier eine wesentlich bessere Quelle, allerdings liegen die Text dort wiederum nur im HTML-Format vor. Ein gewisser „pynch“ hat sich die Arbeit gemacht, sämtliche Werke aus dieser Quelle zu einer Gesamtausgabe im epub-Format herauszuarbeiten (und zwar ziemlich aufwändig, was die genauen Formatierungen betrifft) – das ist zu empfehlen: www.mobileread.com/forums/showthread.php?t=183423.

Was mich daran aber dennoch stört, ist der Umstand, dass man hier einen einzigen großen und unübersichtlichen Band hat (wenn auch klar strukturiert) – und wenn man doch quer über mehrere Werke lesen will, ist es wesentlich angenehmer, diese getrennt als Einzelbücher vorliegen zu haben. Ich habe daher begonnen, die einzelnen Werke Nietzsches von nietzschesource.org ins epub-Format zu konvertierten, wenn auch nicht derart sauber und originalgetreu, wie in der oben genannten Arbeit. Die Hervorhebungen mittels Sperrsatz sind in meiner Konvertierung fett und kursiv dargestellt, ansonsten sollten sich die Formatierungen gemäß nietzschesource.org darstellen.

Fürs Erste:

Der Krampf des Irrenhausführers!

11. Mai 2013

Eine gute Idee für ein eher kostenintensives Literaturprojekt bleibt gewöhnlich beim Ausdruck „eher kostenintensiv“ auch schon stecken – freilich, geschrieben wird in der Freizeit, doch fallen Kosten an, scheitern die ohnehin nicht in Geld schwimmenden Schreibenden meist bei der Frage nach der Finanzierung (es sei denn, man trägt einen bereits wohlbekannten Namen oder aber versucht sich in Arschkriecherei). Aber warum sich nicht des relativ neuen Instruments des „Crowdfundings“ bedienen? Könnte doch funktionieren… wäre zu denken… Schwierigkeiten gibt es dennoch, im Wesentlichen zwei, die die deutschsprachige Literatur betrifft: Erstens funktioniert Crowdfunding durch eine möglichst große Masse; bezüglich der Deutschsprachlichkeit reduziert sich der globale potentielle Pool wieder auf einen relativ lokalen Kreis und Crowdfunding ist in unseren Breitengraden noch nicht derart populär. Zweitens bleibt das Problem der Medienaufmerksamkeit, und das ist das selbe der klassischen Finanzierung: weitgehend unbekannte Autor/innen können natürlich erst dann mit medialer Unterstützung rechnen, wenn etwas auf dem Tisch liegt – und das ist auch gut so; wie sonst soll etwas kritisiert werden können? Einem Crowdfunding-Projekt bricht dieser Umstand jedoch das Genick; ohne Reichweite keine Masse.

Der Irrenhausführer

 

Der Irrenhausführer – Ein Zwischenbericht

Umso stärker soll hier für die Idee geworben werden – die Projektseite ist hier zu finden: Startnext: Der Irrenhausführer. Für die laufende Berichterstattung ist diese Adresse reserviert: www.irrenhausfuehrer.eu. Das Crowdfunding läuft etwas träge, unsere anfänglichen Erwartungen waren zu optimistisch – dennoch: an einem Experiment darf man auch scheitern, wohlgleich wir noch lange nicht gescheitert sind… die entscheidenden Wochen stehen bevor. Parallel zum Crowdfunding steht ein Antrag für ein Förderprogramm, um dem Projekt zum Erfolg zu verhelfen. Als dritte Kapitalquelle bleibt noch das eigene, das bis zu einem gewissen Rahmen vorgeschossen werden kann – und mit einem ersten Teilbetrag nun auch konnte – Dank einiger Verlage, die Interesse zeigen, sodass wir davon ausgehen, den Selbstverlag nicht finanzieren zu müssen. Es handelt sich meist um kleinere bis mittlere Literaturverlage, besonders freut der Bericht des Psychiatrie Verlags, der von sich aus – obwohl wir kein wissenschaftliches, sondern viel mehr ein literarisches Buch hervorbringen wollen – berichtet und interessiert ist.

Das persönliche Feedback, etwa auf Facebook, ist durchgängig positiv, zumindest melden sich keine Zweifler zu Wort. Irgendwie schade, denn wir wollen durchaus polarisieren, was uns nur zum Teil gelingt (s.u.). Die seriöse Presse, auf die wir angewiesen wären, zeigt sich einerseits interessiert – das ist wertvoll – doch abwartend. Das ist aus den oben genannten Gründen heraus verständlich, doch andererseits auch eine vergebene Chance, denn mit ein wenig Risiko und Vertrauen könnte daraus etwas Exklusives entstehen. Die meisten kontaktierten Zeitschriften warten auf ein Rezensionsexemplar – ja, bis dahin ist unsere Schwarmfinanzierung Geschichte. Nicht zu vernachlässigen wäre der Hinweis, dass dieser Roadtrip laufend Material abwerfen würde – abgesehen von literarischen Zwischenberichten, entstünden Fotografien, Videos, Tonbandmitschnitte, und so weiter – daraus könnte sich etwas machen lassen. Ein beachtliches Magazin berät sich diesbezüglich gerade, der Falter zeigt sich für die postproduktive Phase zwar offen („Wir würden berichten. Sogar ziemlich ausführlich?“), die Idee eines Vorabberichts im Gegenzug für gewisse Vorrechte sei zwar gut, doch scheint dies noch nicht entschieden oder Negatives verschwiegen! Diese „Live-Berichterstattung“ kann aber ohnedies mittels Zugang für das „Insider-BLOG“ für einen Beitrag von EUR 10,- auf der Crowdfunding-Plattform erworben werden.

Eine gewisse Komik der Ratlosigkeit tragen Reaktionen von Medienvertretern, die vielleicht nicht ganz zu diesem Projekt passen – aber vielleicht gerade deshalb doch passen könnten. Etwa die als christlich geprägte Furche: „Offen gestanden weiß ich nicht so recht, was ich dazu sagen soll – aber halten Sie uns auf jeden Fall auf dem Laufenden; vielleicht bringen wir einmal etwas über das Projekt.“ Eine Wirtschaftszeitschrift überschätzt naturgemäß unser Marketing „Auch in Irrenhäusern, so darf vermutet werden, kennt man Twitter ..?“, aber doch mit Neugier: „… und vielleicht, wenn nicht alles getwittert, gebloggt und geschrieben ist, können wir uns anschließend mal zu einer Art Resumé verabreden? Interessieren würde mich, was Sie erleben, schon.“ Bei einem naturwissenschaftlichen Verein ist das Projekt natürlich ganz falsch aufgehoben, dennoch ein skeptischer Verein: „… ich war zunächst geneigt, die e-mail zu verwerfen. Dann packte mich doch die Neugier und ich las das – immer noch hin und her gerissen, ob ich einem Witz aufgesessen bin.“ – Nein, sind Sie nicht!

Es gibt aber auch heitere Ablehnung – speziell sowohl bei verbissenen Antipsychiatristen, als auch bei der gegenteiligen Gattung. Gemein haben sie nur zweierlei, nämlich den fehlenden Sinn für Humor und zweitens – ohne uns zu kennen – werden wir als zu normal bzw. gesund für ein solches Vorhaben eingestuft. Mein früher Gedanke, mit einer solchen Idee als irr zu gelten, sei hiermit also widerlegt (auch wenn ich mich weigere, mich als normal, geschweige denn als gesund zu bezeichnen).

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Dass sich in der Komik die Tragik verliert, ist ja nichts Neues – aber ein Leben so ganz ohne Sinn für Ironie ist dann tatsächlich unheilbar tragisch. Jedenfalls ist es eine bloße Unterstellung, wer an einer psychischen Erkrankung leidet und wer nicht. Eine absurde Situation, darüber zu streiten, wer gestörter ist! Wir sind nicht frei von dieser Erfahrung, möchten dennoch als „irre“ bezeichnet werden – pathologisch sind aber eher Ansichten wie diese.

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Damit klärt es sich auf – es sei uns eine Ablehnung der Psychiatrie unterstellt! Groteskerweise aber wird uns von den wirklichen Kritikern der Psychiatrie genau das Gegenteil untergeschoben: als wären wir ihr gegenüber zu unkritisch eingestellt – auch dann freilich sind Witze verboten!

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Und dann gibt es noch einen Paranoiker, der sich für einen Arzt hält – und nein, es ist nicht Dr. Fleisch (der ist nämlich wirklich Psychiater!):

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Aber natürlich gibt es auch echte Mediziner und nicht nur Trolle: „Lieber Kurt Fleisch, ich bin angehender Psychiater und finde die Idee gut, sofern das literarisch/ journalistisch entsprechend gut umgesetzt wird. Seriöse Sache, aber mit viel Humor. Ich könnte mir jedenfalls entfernt vorstellen, dass so etwas, wie gesagt wenn top gemacht und nicht aggressiv antipsychiatrisch oder zu klamaukig, was für unseren Verlag wäre […]“

Interessierte oder Idioten, Kranke oder Gesunde, Angepasste oder Narren, abwartende Presse oder lauernde Verlage – dieses Projekt hat Potential! Unterstützt uns auf Startnext, schreibt einen Artikel, twittert es selbst in die Welt oder hackt den Account Armin Wolfs, um den Link zu teilen! Euch sei gedankt!

… wenigstens die Klatschblätter füllen ihre Sommerlöcher, und Theresa Z. ist längst im Irrenhaus!

sonntag1

Der gute alte Paranoia-Schnelltest!

12. April 2013

paranoia

 

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Quelle des Originals: Wikipedia

Auf der Couch

04. März 2013

Als mir ein Psychoanalytiker in der ersten Sitzung eröffnete, dass alles, das während einer Sitzung passieren oder gesprochen werden wird, die Räumlichkeit der Sitzung niemals verlassen und unter keinen Umständen jemals nach außen getragen würde, selbst dann nicht, wenn es sich um etwas moralisch Anstößiges oder gar Kriminelles handeln würde, zog ich sofort meine Pistole, um den Analytiker auf der Stelle bis auf das letzte Hemd zu berauben. In nur einer einzigen Sitzung waren die meisten meiner Probleme mit einem Schlage gelöst, eine weitere war daher nicht notwendig – und auch gar nicht mehr möglich!

A eh

14. Dezember 2012

Wikipedia: „Das Schicksal oder die Götter bringen den Akteur in eine unauflösliche Situation, den für die griechische Tragödie typischen Konflikt, welcher den inneren und äußeren Zusammenbruch einer Person zur Folge hat. Es gibt keinen Weg nicht schuldig zu werden, ohne seine Werte aufzugeben (was einem tragischen Akteur nicht möglich ist).“ – Also doch eine Komödie, aber das wurde ja bereits gesagt, geschrieben und bezeugt!

Air

Jugoslawien

25. September 2012

patsch
Sonnenloch I
Kamenjak

An der Nockalm

09. August 2012

Nockalmstraße

Sommer

10. Juli 2012

Der Rest, wie immer: http://www.flickr.com/photos/bananenfisch/

ohne titel
lightning

Zeitraffer – frühmorgens über Wien

14. Juni 2012

Nun wenn die Nacht schon geliebt, kann auch die frühe Morgendämmerung genossen werden. Überraschenderweise brachte nicht der aufwändigere erste Versuch, durch Intervallaufnahmen mit Superweitwinkel, Nachbearbeitung der Einzelbilder und anschließendem Erstellen eines Zeitraffers das schönere Ergebnis, vielmehr liefert bereits die integrierte Zeitrafferfunktion der D800 gute und klare Frames schon als fertiges Video. Schön hier aber vermutlich besonders die Perspektive, einziehender Nebel südwestwärts über die Donau in die Stadt, hochstehende Wolken in die andere Richtung. Und nicht weitwinkelig, sondern leichte Telebrennweite mit 85mm. Bei 30 Aufnahmen pro Minute entspricht eine Minute hier eine Sekunde mit 30fps.

Am schönsten kommen die Details bei 1080p und fullscreen zur Geltung:
Link: Full HD, Youtube (für fullscreen: Icon ganz rechts, unten).

Richtungsding – Zeitschrift für junge Gegenwartsliteratur

21. Juni 2011

Richtungsding

Die Ausgabe III der Zeitschrift Richtungsding ist von Harald Gerhäußer und Jan-Paul Laarmann herausgegeben worden. Ich freue mich, dass einige meiner Briefe darin erschienen sind!

Platz gefunden haben nicht nur ältere, bereits bekannte Briefe:

brief1

… auch bisher unbekannte sind dabei:

brief2

Ich bedanke mich.
Einfach bestellen, hier: http://www.richtungsding.com/bestellung.htm

Zeitraffer – Cowes, Isle of Wight

10. Juni 2011

Watch in HD

Aufgenommen mit einer Nikon D90; Intervall-Steuerung durch pyKake am Nokia N900. Nach Sammeln der Bilder sind noch zwei Schritte notwendig:

Erstens: Vorformatieren mit imagemagick und passend benennen:

Die Kodierung erledigt ffmpeg:

Atome – Jaderná elektrárna Dukovany

24. März 2011

Jaderná elektrárna Dukovany
am see
Romantik

Die Collage meiner postpubertären Heiligenverehrung im Jahre 2005

05. Februar 2011

flying gopro on his orbit around my own gravity

23. Januar 2011

swivel chair

Bosnien

10. Januar 2011

Sarajevo Sarajevo Bosnien Bosnien Sarajevo Fojnica

verlinktes hammer-gedicht (ohne sichel)

03. Dezember 2010

serotoninwiederaufnahmehämmern
noradrenalinwiederaufnahmehämmern
monoaminooxidasehämmern
auf die eier
bis sie
abfallen

 

 

Wahrheit, aus dem Archiv, 2006

26. Oktober 2010

§1 Die Wahrheit

Die Wahrheit besteht aus der Lüge. Besteht ein Zusammenhang zwischen einem Penis und einem Buch, so kann dies als Wahrheit bezeichnet werden. Das Buch besteht aus Buchstaben, die in sogenannten Sätzen gruppiert sind. Die Sätze ansich ergeben keinen Sinn. Betrachtet man jedoch jeden einzelnen Buchstaben an und für sich, erkennen wir darin den Geschlechtsakt. Das ist wiederum die Lüge an der Wahrheit. Daher wird soweit gegangen, bis alle Lügen ausgesprochen sind, um den Penis zu erhalten.

§2 Der Geschlechtsakt

Trifft der Penis im schlaffen Zustand auf sämtliche Vokale einer Seite eines Buches, welches von Elfriede Jelinek geschrieben wurde, so nennen wir dies den Geschlechtsakt. Er ist der Unsinn des Lebens, wobei gerade der Unsinn Sinn macht. Die wichtigsten Autoren in der Geschichte der Menschheit schrieben ihre Bücher ohne, dass sie darin Konsonanten verwendeten. So sind zum Beispiel sämtliche Dialoge Platons ausschließlich mit dem Buchstaben i geschrieben. Diese Vorgehensweise sollte den Geschlechtsakt fördern. Allerdings schrieb Platon seine Bücher nicht unter dem Psyeudonym Jelinek, was zur Folge hatte, dass der Geschlechtsverkehr vor dem Jahre 1967 praktisch undurchführbar war.

§3 Der Unsinn

Der größte Unsinn ist das weibliche Geschlechtsorgan: die Vagina. Dieses Organ ist für den Organismus der Frau lebensnotwendig. Es dient zur Nahrungsaufnahme. Analphabeten, welche nicht die Möglichkeit haben, Vokale zu erkennen nutzen jedoch die Vagina auch als Nahrungsmittelersatz. Da Frauen auf diese Weise speisen, besitzen sie keinen After.

§4 Der After

Im Mittelalter wurde der After erfunden. Junge Frauen, die an Afterneid litten, leckten diese großen Löcher, die sich am Hinterkopf des Mannes befanden oft stundenlang. Heute gibt es eine immer größer werdende Anzahl an Wissenschaftlern, die an der Existenz des Afters überhaupt zweifeln. Tatsächlich gibt es bis heute keinen Beweis für das reale Vorhandensein dieser Rosette.

§5 Die Frau

Bewiesen ist dagegen die Existenz der Frau. Sie unterscheidet sich vom Mann nur in einer Weise: sie denkt. Allerdings nicht schlüssig. Jüngste Umfragen unter Frauen ergaben nichts. Manch eine böse Zunge phantasiert von einem Reich der Möse. Belesene Menschen wissen von der Wahrheit dieser Lüge und vermeiden jeden Kontakt.

§6 Der Mann

Er ist eine Erfindung der Frau, die sie sich hätte sparen können. Menschen gibt und gab es nie, daher wird es nie einen Übermenschen geben. Der Übermann trägt den Namen Constantino Gambetti, welcher ein Produkt der weiblichen Vorstellungskraft ist. Die Überfrau ist bereits 1811 an den Folgen ihrer Vereinsamung verstorben. Eine Nachfolge ist mangels männlicher Vorstellungskraft nie in das Licht der Wahrheit gerückt. Im Gegensatz zum Mann, der eine Negation des männlichen Gliedes besitzt, trägt der Übermann drei Stück am Rücken. Der denkende Übermann denkt die objektive Wahrheit aller. Diese Gedanken bestehen grundsätzlich aus Vokalen.

Wo sind die Briefe?

17. Oktober 2010

Tatsächlich erreichen mich täglich mehrere Dutzend Anfragen bezüglich weiterer Briefe, und selbstverständlich schreibe ich fortwährend weitere Briefe an Herrn S. (der allerdings psychisch bedingt darauf kaum zu reagieren scheint), doch habe ich mich dazu entschlossen, sie vorerst nicht zu veröffentlichen, da es günstiger ist, die gesammelten Briefe, wenn sie irgendwann ein Ende erreicht haben werden, auf einen Schlag, bestenfalls sogar materiell, also gedruckt, zu veröffentlichen (oder auch einzelne spezielle, dann aber in spezieller Form, versteht sich).

Ich stelle jedoch meinen Mitschnitt der von Radio Ö1 produzierten Sendung, in der Stephan Rehm die ersten 15 meiner Briefe liest, online (sollte jemand von Ö1 etwas gegen diesen unverschämten Copyright-Verstoß einzuwenden haben, bitte ich um E-Mail)…

Briefe an Herrn S. (1-15) von Kurt Fleisch, Sprecher: Stephan Rehm, Regie: Katharina Weiss.

Priapismus

29. September 2010

Ein paar alte Bilder: http://www.flickr.com/photos/bananenfisch/

Priapismus berlin
berlin DSC_0677 hoden DSC_0140 heurigen balaton

tote worte

19. Juli 2010

stopfen wir uns voll mit tabletten vor lauter angst. das ist ganz einfach. wir sind ohnehin emotionslos, isoliert und automatisiert. jede gefühlsregung ist ohnehin stumpf und mechanisch, ohnehin schon von außen unterdrückt in ihrer anormalität. aber irgendwann lehnt sich das innen auf, gegen diese unterdrückung, dann funktioniert das alles nicht mehr. dann ist auf einmal nichts mehr stumpf und mechanisch, dann sind da überall messerscharfe klingen, die unter strom stehen, die in unsere schädel eindringen, uns wie blitze aus dem nichts treffen, und unsere gehirne zum zucken bringen. da ist mal wieder einer ausgezuckt. stopfen wir ihn voll mit tabletten, er ist zu sehr bei sich, der arme mensch. wer spricht da zu ihm? wir können es nicht sein. wir sprechen nicht mehr, unsere worte sind längst tot, unsere toten worte schicken wir nur noch über drähte. jeder spricht für sich allein, stumm, das immergleiche vor sich hin. ein anderer klaubt sie nachher auf, die toten worte von der toten erde, irgendwann, wenn sie nichts mehr bedeuten. stopfen wir ihn voll, den armen menschen, der da zuckt. und nun klaubt sie auf, diese toten worte, die nichts mehr bedeuten, und stopft euch voll, mit euren tabletten…

WÖRTER.See – Ö1 Literaturwettbewerb

01. Juli 2010

Tja, wer hätte das gedacht: meine bisherigen Briefe an den lieben Herrn S. wurden ausgezeichnet. Ich nämlich hätte gedacht, ich bekäme dafür einen Wissenschaftspreis, stattdessen finde ich mich unter den neun Gewinnerinnen und Gewinnern des WÖRTER.See Literaturwettbewerbs von Radio Ö1. Umso besser! Ich fordere daher alle auf, am Dienstag, dem 13. Juli 2010, um 21:00 Uhr Ö1 zu hören – da werden die Briefe zum Hörspiel.

Ö1 schreibt:

Es soll ja vorkommen, dass das Verrückte normal und das Normale verrückt ist. Und es soll auch vorkommen, dass Ärzte die Kontrolle verlieren. Zunächst über sich und dann über ihre Patienten. Im Siegertext des 1981 geborenen Schriftstellers Kurt Fleisch steht die Welt auf dem Kopf. Ausschließlich per Brief therapiert ein vermeintlicher Psychiater und Gehirnphysiologe, der sich für einen Nobelpreisträger hält, einen Patienten, Herrn S.

Er verordnet postalisch Benzodiapezine, Haloperidol und andere Antipsychotika, unternimmt haarsträubende Selbstversuche, entwickelt seltsame Maschinen und empfiehlt das Irrenhaus als Schutzhaus und als Ort der Ruhe und Stabilität. Die wortgewaltigen und mit pseudowissenschaftlichen Versatzstücken durchsetzten Briefe bilden eine groteske, aber in sich schlüssige Realität ab. Und zeigen, dass das, was wir Wirklichkeit nennen, nicht mehr ist als ein auf Konventionen beruhendes fragwürdiges Konstrukt.
(http://oe1.orf.at/programm/244786)

 

Und natürlich sollten alle Siegertexte gehört werden, die da wären:

– 6. Juli: Laura Freudenthaler: „Le Crâne, der Schädel“
– 13. Juli: Kurt Fleisch: „Briefe an Herrn S.“
– 20. Juli: Karl Kreiner: „Sunna ’93“
– 27. Juli: Jessica Lind: „Ich träume vom Sehen“
– 3. August: Margit Mössmer: „Gerda in London“
– 10. August: Marion P.: „Flipper“
– 17. August: Johannes Tröndle: „Das Zeitmesser“
– 24. August: Milos Wächter: „ausbrechen“
– 31. August: Magda Woitzuck: „Hollywood“

Hypochonder

14. Juni 2010

Heute kam ein Mann in meine Praxis, der fürchtete, etwas am Herzen zu haben. Da er schon öfters, obwohl ohne Symptome, meine Diagnose verlangte, fragte ich ihn, ob er generell Angst vor Krankheiten hätte. Er antwortete darauf, er fürchte nicht die Krankheit selbst, sondern bloß den Tod, also ausschließlich potentiell tödliche Krankheiten. Er meinte außerdem, dass er unter allen Krankheiten, die zum Tod führen, nur solche fürchte, die das Leben mit einem Schlag, plötzlich und augenblicklich beenden. Meine Frage, ob nicht vielmehr solche Krankheiten Furcht erregend wären, die den Tod bereits lange zuvor ankündigen und einen langen Leidensweg des Verfalls in Gang setzen, verneinte der Mann – im Falle des sich ankündigenden Todes, meinte er, könne man sich immerhin auf ihn vorbereiten. Schließlich wollte ich wissen, wie er sich auf den Tod vorbereiten würde. Er dachte lange nach und sagte endlich, dass er sich wohl plötzlich und augenblicklich erschießen müsste.

8. Brief an Herrn S.

12. Februar 2010

Sehr geehrter Herr S.,

zunächst muss ich mich bei Ihnen entschuldigen, Sie so lange auf meinen Brief warten zu lassen. Mein Diener M. ist nicht in Konstantinopel angekommen – während der Reise ist bei ihm eine hochgradige Manie ausgebrochen (er bezeichnet sich jetzt als „Dr. Phallus“ und befindet sich gegenwärtig immer noch im Osten Ungarns, um dort mit bloßen Händen eine fünfzig Meter hohe Penis-Skulptur zu errichten). Nun, nach meiner heutigen Ankunft in Wien musste ich erstens auf den Opernball. Es ist ein Skandal, dass ich heuer der einzige Demonstrant war! Sie, mein lieber Herr S., sind selbstverständlich entschuldigt, da der Aufbau des Bunkers äußerst kräfteraubend ist, wie ich weiß. Dankenswerterweise haben Sie es tatsächlich vollbracht, während meiner Abwesenheit, den Alprazolambestand auf 350g aufzustocken! Ich werde dies in meinem Empfehlungsschreiben berücksichtigen.

Ich hatte in Konstantinopel kaum eine freie Minute. Meine Vorträge über die Ergebnisse meiner Studie „Neuroleptika bei Säuglingen“ wurden begeistert aufgenommen. Sie werden gerne hören, dass ich zudem alle unsere Ziele erreicht habe: ich konnte mir einige MRT-Geräte ansehen, bestellte schließlich ein Ultrahochfeld-System mit einer Feldstärke von 12 Tesla. Es steht bereits in meinem Wohnzimmer. Der Kryostase betreffend werden nächste Woche drei Stickstofftanks geliefert. Ich werde Ihnen die genauen Spezifikationen nachliefern, aus Gründen der knappen Zeit soll es hier genügen anzumerken, dass wir bald vollständig ausgestattet sein werden, wie ich Ihnen versichern kann.

Sie werden verstehen, Herr S., wenn ich Ihnen von meinen persönlichen Erfahrungen später berichte – ich muss mir erst einen neuen Diener suchen.

Ihr erschöpfter
Herr H.

shot around the clock

06. Februar 2010

Achja, jetzt (2010) ist es bereits über 6 Jahre her, als wir uns stündlich fotografiert haben – damals, zuerst einsam (Herbst 2003) und dann gemeinsam (das Jahr 2004), als noch alle vom „Web“ sprachen, und niemand auf die komische Idee kam, „2.0“ dran zu hängen. Im theoretischen Unterbau war das Projekt zwar noch etwas… naiv, aber in der Idee und Umsetzung genial! Aus purer Langeweile: die Programmierer-Automaten-Arbeit habe ich entnervt niedergelegt, das Studium noch lange nicht begonnen. Eine triste Zeit. Tja, mühsam war es schon – heute ist ja alles viel einfacher!

Zur Nachsicht, das Archiv:

„project:bananenfisch“ (2003)
hourpic

„shot around the clock“ (2004)
satc

5. Brief an Herrn S.

12. Januar 2010

Mein lieber Freund Herr S.,

ein Gespenst geht um in Europa – das Gespenst der hellen Köpfe. Ich kann Ihnen daher nur dringend raten, Ihre tägliche Dosis Haloperidol und Propofol zu verdoppeln, wenn Sie sich nicht wieder der Gesellschaft entziehen und also ins Irrenhaus wollen. Wie Sie wissen, Herr S., ist einer der tragenden Thesen meiner Habilitationsschrift, dass die Notwendigkeit von Sedativa im direkten Verhältnis zum Verstandesvolumen der betreffenden Person steht. Die Schwelle, das ist der Grenzwert der Intelligenz eines Menschen, unterhalb dessen er sich ohne Sedativa in die Gesellschaft als Marionettentheater einzugliedern vermag, ist dabei im Sinken begriffen. Ich möchte Ihnen damit sagen, Herr S., dass wir heute in einer Welt leben, in der selbst der Dumme (etwa der mechanische Mensch, der Automat, die Puppe, der ausführende Arm, und so weiter) häufig eine gewisse Dosis sedierender Gaben benötigt. Wie sollen also Sie, Herr S., ohne die zehnfache Dosis nur einen einzigen Tag überstehen?

Ich bedanke mich für Ihren ergreifenden Brief und möchte Ihnen sagen, dass der Schritt aus dem Irrenhaus immer sehr schmerzhaft ist. Es ist, als würde man von einem Freudenhaus direkt ins Zuchthaus geworfen. Das Irrenhaus ist wahrlich ein Freudenhaus, und das Freudenhaus ein Irrenhaus. Wir sind aber ausgesperrt, eingesperrt im Zuchthaus. Sperren Sie sich ins Klo ein, Herr S. Ich sperre mich gerne ins Klo ein, das Klo ist ein wenig wie das Irrenhaus. Sämtliche Zustände und Regungen des Gemüts, die ich mit dem Klo verbinde, sind positiv gefärbt. Das Klo ist ein äußerst angenehmer Ort. Sperren Sie sich ins Klo, Herr S., niemand wird Sie stören. Wenn Sie jemand anrufen will, müssen Sie nicht abheben, wenn Sie gerade am Klo sitzen. Am Klo gibt es keinen Bildschirm, bestenfalls auch kein Fenster, keine Geräusche, keinen Text, keine Bilder, und hier, am Klo, müssen Sie nur eines, wenn Sie müssen, Sie müssen sich erleichtern, vom Dreck, der Ihnen tagtäglich hineingestopft wird, und sonst müssen Sie nichts. Es gibt tatsächlich Menschen, die den Rest ihres Lebens eingesperrt im Klo verbringen, insbesondere wenn ihnen der Zugang zur psychiatrischen Medizin verwehrt ist. Zuerst zwanzig Jahre Darsteller im Marionettentheater, dann vierzig Jahre Scheißen am Klo.

Nun, falls Sie doch wieder ins Irrenhaus wollen, fahre ich Sie gerne jederzeit hinauf. Hinauf – wie bei der Himmelfahrt! In der Hoffnung, dass Ihnen meine Ratschläge Erleichterung bringen, muss ich meinen Brief jetzt schließen, da ich aufs Klo muss, aber freue mich bereits, wie immer, auf Ihren nächsten Bericht.

Ihr Herr H.

4. Brief an Herrn S.

07. Januar 2010

Lieber Herr S.,

ich sage Ihnen, Herr S., seien Sie froh, im Irrenhaus zu sein! Denn hier, in der wirklichen Welt, kann man sich seines Lebens nicht mehr sicher sein. Wenn Sie denken, dass sich der Terrorismus auf Flughäfen und Flugzeuge, die sich zwischen zwei Flughäfen in der Luft befinden, beschränkt, dann irren Sie sich gewaltig. Am gestrigen Dreikönigs-Feiertag (ich wollte gerade den Schwan, der fortwährend „Alle Verbindungen gelten nur jetzt“ zu mir sagt, schlachten und braten) standen tatsächlich drei Terroristen vor meiner Haustüre – Islamisten. Ein Schwarzer war auch dabei. Ganz richtig, Sie lesen recht. Sie trugen eine wohl im arabischen Raum übliche Tracht, wodurch ich sie dem Islam zugehörig identifizieren konnte, und waren mit einem Speer bewaffnet. Meines Nachbars Eingangstüre hatten sie schon für ihren nächsten Anschlag mit irgendwelchen kodierten, unlesbaren Zeichen markiert („20 – C-M-B – 10“). Ich weiß nicht, was Sie gemacht hätten, mein geschätzter Herr S., doch ich habe wohl das einzig Richtige getan. Als die drei Terroristen auch noch zu singen begannen (ich vermute, irgendein Gebetslied des Muezzin), habe ich, wie es in unserem Land üblich ist, das Feuer eröffnet – zuerst auf den Schwarzen, selbstverständlich, den ich da auch erschossen habe. Die anderen beiden sind jeweils mit einem Oberschenkeldurchschuss davon gekommen. Sie können sich vorstellen, Herr S., dass ich danach nicht mehr fähig war, den Schwan zu schlachten. Stattdessen musste ich die fünffache Tagesdosis Alprazolam einnehmen. Alle Verbindungen gelten nur jetzt. jetzt. jetzt.

Nun, trotz all dem wünsche ich Ihnen alles Gute für Ihre heutige Entlassung, und natürlich auch viel Glück für Ihr Bewerbungsgespräch für die Stelle als Customer Focus Manufacturing Manager bei Lidl. Ich habe für Ihre Rückkehr bereits alles vorbereitet: die Hausapotheke ist vollständig gefüllt: SSRIs, SNRIs, NDRIs, Benzodiazepine, Neuroleptika, Opiate und Butyrophenone, um nur die wichtigsten zu nennen. Die Leninbüste steht gereinigt auf Ihrem Nachttisch, die Hanns Eisler Platte ist bereits am Plattenspieler positioniert und wartet dort auf Sie, um gespielt zu werden.

Ihre Ankunft freudig erwartend,
Ihr Herr H.

1. Brief an Herrn S.

28. Dezember 2009

Lieber Herr S.,

es war richtig, dass Sie mir sofort eine Nachricht zukommen haben lassen. Allerdings kann ich Ihrem Wunsch nicht nachkommen, bei Ihnen noch heute eine Lobotomie durchzuführen. Wir sollten diesen Schritt zunächst sehr sorgfältig überlegen, auch wenn ich die Dringlichkeit Ihres Problems gut nachvollziehen kann. Ich verstehe Sie tatsächlich, Herr S., ich sage Ihnen, selten war mein Wunsch, im Irrenhaus zu sein, größer als heute. Es gibt sehr schöne Irrenhäuser hier in Wien, wie Sie wissen.
Ich empfehle Ihnen, täglich die dreifache Dosis Haloperidol einzunehmen, am Besten gleich morgens, noch bevor Sie ins Büro fahren. Vielleicht können wir auf diese Weise von der Lobotomie nochmals absehen. Ich möchte Sie auch inständig darum bitten, auf die Versuche, sich selbst zu lobotomisieren, vorerst zu verzichten.

Ich erwarte Ihren nächsten Bericht,
Ihr Herr H.

trauriger Entenmann…

24. November 2009

trauriger Entenmann

der tanz des mandelkerns

13. November 2009

die ewig wache amygdala
im immer vitalen körper
nie im reinen geiste
überlebt die ihre notwendige
materie – ängstigt sie.

reizt sympathikus,
nucleus parabrachialis,
nervus vagus,
locus caeruleus.

ihr band zum gedanken
des endlosen
trägt sie im geiste
ihrer selbst transzendierend
dorthin.

endlich ängstigt sie
ihre ewigkeit
im kreise.

Anruf aus Genua

10. November 2009

Sonntag Abend, hitzige Diskussionen im besetzten und voll besetzten Audimax Wien: niemand denkt daran den Skype-Rechner vom Beamer zu nehmen. Plötzlich ruft „Universita degli Studi di Genova“ an — Jubel!
Wenn aber die sich solidarisierenden StudentInnen in Genua per Skype nach Ankündigung zurück gerufen werden, sollte man sich vorher fragen, ob nicht vielleicht die Genossen Rudolph Hagen und Kurt bananenfisch Fleisch abheben, um ihre „Grußbotschaft“ zu übermitteln…

anruf aus genua1

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