Wienzeile #66

11. März 2014

Wienzeile 66Heute erscheint das supranationale Magazin Wienzeile in ihrer 66. Ausgabe und es freut mich natürlich, dass einer meiner “Rauschtexte” dort Platz gefunden hat, schließlich lautet das Motto “AKUT” (und auch die Faust passt)!

Die Präsentation dazu findet heute am 11.3. um 19 Uhr im Elektro Gönner statt. Es lesen: Kerstin Putz, Ines Birkhan, Gesche Heumann, Reimo Wukounig und ich. Details dazu hier: http://wienzeile.cc/news/48/.

Jedenfalls sollte die Wienzeile gekauft werden…

Nüchtern bin ich eine Ratte

14. Februar 2014

Ich war heute beim Arzt, war schließlich lang genug nüchtern. Außerdem funktioniere ich nüchtern nicht so, wie ich es möchte. Degeneriert, das heißt also nüchtern sein. Mir zuckt meine Oberlippe, wenn ich nüchtern mit Menschen spreche, die etwas wollen, aber das wollen nicht sie, das wollen sie stellvertretend. Alle wollen nur noch etwas stellvertretend, sie wollen Geld stellvertretend, sie wollen Leistung stellvertretend, ja, manche wollen sogar ihren Arschfick stellvertretend für ihren Vaterkomplex… aber wer bin ich? Dein Vater soll sich selbst eine Hure finden!

Doch wer hat es bemerkt? Deren Schlagstock ist nur noch Symbol! Doch wo ist das verschwundene Ziel? Könnte ich einmal aufräumen, bräuchte es auch keine Geißelhaft mehr. Längst aufgegeben, dabei wäre es bloß ein Schlag. Und alle sagen “Ja”. Und alle sagen “Bitte”. Und alle sagen “Danke”. Verschissene De/Generation. Sie spüren irgendwo noch ihren Hass, aber erkennen ihn nicht mehr, kriechen von Ort zu Ort, ohne sich auch nur einmal aufzurichten, und jemandem stellvertretend ins Maul zu schlagen. Es wird uns alles geboten, alles unverschämte, es wird uns alles geboten und geliefert… ohne Gegenleistung; in Wahrheit ausgeliefert.

Doch ihr fügt euch, dessen solltet ihr euch schämen! … an eurer Feigheit zugrunde gehen, wenn ihr nicht zurückschlagen wollt. Was bleibt sind degenerierte, groteske Gestalten, in ihren Ausdrücken wiederholend die leblosen, blassen Gesten geistiger Verstümmlung, als Abfallprodukt gegenwärtiger, das heißt also vergangener Produktion, zugleich sich selbst reproduzierend als das, was sie immer schon gewesen sein werden: geschlechtslose Krüppel, körperlich wie sprachlich, die sich nur noch anstellen, nur noch informieren, gelegentlich zucken, wie verreckende Ratten. Ihre Illusionen des scheinbar unvermeidbar Kommenden, das immer schon vorweggenommen war, trifft wie ein Hammer an einem Pendel von hinten und zertrümmert die Schädel jener, die notwendigerweise aus der Zukunft heraus ihre gegenwärtige Lage zu ihrer Gewesenheit machen, in einer Weise, die ihre Verkrüppelungen als Gegenteil des Vorgestellten in Stein gemeißelt bleiben… in der Weise schließlich, dass sie nie etwas selbstbestimmtes gewesen sein werden, sondern bloß degenerierte, groteske Gestalten – geschlechtslose Krüppel, körperlich wie sprachlich.

Heute abends traf ich einen alten Mann bei einem Bier. Er sagte, er würde die Menschen eigentlich lieben, dennoch aber, die Menschen jedoch seien ganz allgemein eine Plage. Ganz ähnlich wie die Ratten, übrigens, sagte er, die er ja auch nicht hasse, wohl aber seien sie eine Plage. Er lächelte in ehrlichster Weise und nahm einen Schluck aus seinem Bier. Und warum sollte man denn nicht auch den ersten Stein stellvertretend werfen dürfen? Stellvertretend für den ohne Sünde, da bliebe nur noch Jesus. Er würde werfen…. fortwährend…

Ein Arzt

29. Dezember 2013

Ein angesehener Arzt mittleren Alters wurde spätnachts von der Frau des emeritierten Professors angerufen, die in größter Aufregung um Hilfe bat, da es “schon wieder angefangen hatte”, wie sie sagte, “diesmal noch schlimmer”. Der Arzt sicherte zu, sich unverzüglich auf den Weg zu dem Haus des Ehepaars, das entlegen, weit außerhalb der Stadt direkt am Waldrand lag, zu machen. Eine halbe Stunde später öffnete die Frau dem Arzt die Türe – “er ist im Schlafzimmer”. Der Arzt fand den Professor im Bett sitzend vor, seine Augen weit geöffnet, das Nachthemd von Schweiß durchtränkt. “Wie fühlen Sie sich?”, fragte der Arzt. “Sehen Sie aus dem Fenster, dann werden Sie es verstehen.” Der Arzt ging zum Fenster, und sah in die Nacht. Er öffnete es, und sein Blick wanderte aufmerksam von links nach rechts, von unten nach oben. Doch er konnte nichts sehen, bloß die Dunkelheit der Nacht und einen klaren Sternenhimmel. “Und, was sagen Sie?” “Nichts, da ist nichts”, antwortete der Arzt. Der Professor stand auf, blieb vor dem Fenster stehen und deutete hinaus. “Sehen Sie doch! Da ist es, direkt vor Ihren Augen!” Der Arzt schüttelte den Kopf. “Was sollte ich denn sehen?”, fragte er. “Also das ist doch nicht zu übersehen – sind auch Sie verrückt geworden? Nun sehen Sie doch! Sie sind doch genauso verrückt. Alle meinen, ich sei verrückt, dabei sind Sie genauso verrückt, wie all die anderen, wenn Sie das nicht sehen können!” Die Frau, die an der Türschwelle stand, sah den Arzt sorgenvoll an. “Was meinen Sie, Herr Doktor?” “Dasselbe wie das letzte Mal, nicht Frau Professor?” “Ja”, sagte sie. Der Arzt verabreichte dem Professor ein Beruhigungsmittel, und versprach, am nächsten Abend nochmals vorbeizuschauen, um die weiteren Schritte zu besprechen. “Wird das wieder aufhören?”, fragte die Frau. Das könne er noch nicht sagen, doch es werde sich schon ein Weg finden, so der Arzt, bevor er sich verabschiedete. Der Arzt fuhr am Heimweg entlang des Waldes, als er vor der Kurve, die am Horizont vom Schlafzimmerfenster des Professors aus gerade noch zu sehen war, seinen Wagen anhielt. Er stieg aus, holte aus dem Kofferraum eine Pistole, und erschoss sich ohne zu zögern mitten auf der Landstraße. Am nächsten Morgen brachte die Frau des Professors das Frühstück ans Bett. “Wie geht es dir?”, fragte sie. Der Professor stand auf und ging zum Fenster. “Nichts, da ist nichts. Es ist nichts zu sehen”, sagte er.

60. Brief an Herrn S.

23. Dezember 2013

Geschätzter Herr S.,

es müssen Monate vergangen sein, gar mehr als ein Jahr, als ich Ihnen zuletzt geschrieben habe. Nun, mein lieber Freund, ich vermute, dass Sie es längst aufgegeben haben, auf einen Brief von mir zu warten. Das lege ich nicht Ihnen zur Last, sondern mir selbst. Ich habe Ihre, im Laufe der Zeit immer seltener, immer verzweifelnder werdenden Briefe stets gelesen, konnte jedoch keinen einzigen beantworten, bis schließlich der Postbote nicht mehr meine Gasse heraufkam. Aus den Akten der ehemaligen Anstalt, die nach meinem Ausscheiden zugrunde gehen musste, konnte ich Ihre derzeitige Anschrift entnehmen: das hiesige Irrenhaus für geistig abnorme Rechtsbrecher. Ich weiß allerdings nicht, wessen Recht Sie, mein guter Herr S., gebrochen haben sollen – vielleicht könnten Sie mich hierüber aufklären, sofern Sie mich mit einem Antwortschreiben würdigen wollen. Gerne stehe ich Ihnen in dieser Sache zur Seite; mein Wort ist Gesetz – daran hat sich nichts geändert, das kann ich Ihnen versichern.

Es fällt mir schwer, meine Ignoranz dieser Monate zu erklären. Hinter allem Übel steckt, wie Sie sicherlich wissen Herr S., vielleicht aber auch hinter allem Guten, also hinter allem generell vermutlich, eine Frau. Ich habe mich der Art nach in einem gewissen Zustand der Hirnlähmung befunden, während ich einer gewissen Phantasie verfallen war, wobei das Wort “Phantasie” überflüssig erscheinen mag, denn was sonst sollte Liebe sein? Damit möchte ich Ihnen vielmehr mitteilen, dass diese Phantasie mehr mich selbst betroffen hat. Ich dachte, ich sei nicht größenwahnsinnig, doch ich bin der Allmächtige; ich dachte, ich hätte mich verändert, doch ich bin die Veränderung; ich dachte, ich müsste gesünder Leben, doch das wäre ungesund; ich dachte, die Nacht wäre dunkel, doch der Tag ist dunkler als der Tod; ich dachte, ich könnte Zufriedenheit finden, doch liegt sie gerade in der Unzufriedenheit. Sogar Gott ist mir erschienen. Er hat meine Kreuzigung nicht verhindert, seine Hände seien ihm in dieser Sache gebunden, sagte er mir in den Spiegel – direkt ins Gesicht.

Mein treuer Freund, ich habe wieder zu mir gefunden und arbeite bereits wieder an einer äußerst bedeutsamen Sache, die auch Ihrem erkranken Gehirn zugute kommen wird. Es scheint mir jetzt schon, ohne übertreiben zu wollen, die größte Leistung, die mir je gelungen ist, die vermutlich je ein Mensch vollbracht haben werden wird… ich werde darauf zurückkommen.

Für heute sollen es genug Worte sein.
Ihr ergebener Freund,
Herr H.

Post-Alk-Fieberwahn

18. Dezember 2013

Sagt der Analytiker, während du selbst versifft im Sessel mehr hängst als sitzt, Freud hätte drei Kulturen gegen das unerträgliche Leben gesehen. Der gefährlichen Religion bist du längst entkommen, die harmlose Kunst will von selbst nicht gelingen, insofern wäre Freud über die Wahl des Rausches sehr zufrieden. Dieser Gedanke mag eine Minute lang helfen – oder doch ein wenig mehr, sonst würde es hier nicht nochmals wiederholt… Hilfe, die du suchst, ist in der Nacht selten zu finden, wenn alles schläft. Sonst ein angenehmer Umstand, und selbst der Wunsch in diesem Zustand die Zeit einsam vergehen zu lassen, wird erst dann als solcher aufgefasst, wenn es eine andere Möglichkeit gäbe, das heißt also wirklich eine Wahl zu haben – aber die hast du nicht… eigentlich nie, bloß fällt es nicht auf, nur jetzt. Der Psychokater sei, so ist zu glauben, wie der viel angenehmere rein körperliche Kater, auch bloß körperlich, hirn-körperlich, denn wäre da noch die Religion, könntest du einfach Buße tun. Aber auch das hilft nicht, es sei denn… Doch gegen einen Rausch gibt es keine Argumente, wozu diese Bestrafung, bloße Nebenwirkung? Eher das Gefühl, zurückgeworfen zu werden in das, das der Rausch beiseitigt hat, oder anders herum, wieder weggeworfen, was hervorgetreten. Das Begehren, das sich als übliches sexuelles Begehren zeigt, ist ein anderes Begehren, findet keinen anderen Ausdruck, zugleich ist mit sexuellem Begehren leicht umzugehen – aber mit dem wahren Kern des Begehrens, wie damit umzugehen, gerade im Rausch irgendwie greifbar, eigentlich aber nicht. Und zugleich den Dreck der versifften Stadt vor der Türe zu lassen. Jeden Sonntag vor der Haustüre diese Pisslacken, da klebt der Ekel an den Schuhen – die geben sich nur noch dem Rausch hin, und ich muss drüber steigen, mein Lustobjekt geht hindurch. Das bin doch nicht ich, diese Pisslacke. Würde ich am Land leben, hätte ich andere Zwänge, Zwänge, die für andere weniger anstrengend wären, vermutlich aber nicht. Kann ich von einer Frau erwarten, dass sie sich vor der Wohnungstüre vollständig entkleidet? Dass nur der völlig nackte, also völlig reine Körper über die Türschwelle tritt? Warum nicht?… so weit geht der Rausch nicht, und ginge er so weit, wäre dieser Wunsch verloren. Das Begehren hätte selbst in der Pisslacke seinen Ausdruck finden können… und der Psychokater weitaus schlimmer… Ich kleide mich nicht aus Scham, auch nicht, um mich zu wärmen, ich kleide mich, um mich nicht schmutzig zu machen. Die Wohnung ist auf 28°C geheizt und ich bin nackt. Gotteshäuser, wie meines, sind ohne Schuhe zu betreten. Zum Jahreswechsel werde ich mich nicht dem Rausch hingeben, ich werde mein religiöses Ich hervorholen… und beten, nackt und rein.

Herbst statt Moldau

27. Oktober 2013

Hurra! 720p, 120fps auf 30fps – und “SuperView”. Da tanzen die Blätter!

Ende der Selbstausbeutung!

09. Oktober 2013

Da sich in letzter Zeit Umstände häufen, die mich auf auffordernde Art und Weise zum bloßen Mittel für irgendwelche Zwecke, die mich absolut nicht interessieren, herabwürdigen, mich zugleich nerven und damit gesundheitlich und sozial schädigen, sowie offenbar die gängige Meinung herrscht, ich stünde ohne Bezahlung in permanentem Bereitschaftsdienst, gelten ab sofort folgende Regeln:

  • Ich biete keinen kostenlosen Bereitschaftsdienst für irgendwelche laufenden Kleinigkeiten mehr an!
  • Für unterdurchschnittliche Stundensätze programmiere ich nur noch für Freunde oder linksradikale Organisationen. (Richtwerte der Schmerzgrenzen siehe: www.akademie.de/wissen/stundensatz-kalkulation.)
  • Auf unangekündigte E-Mails gegen Wochenmitte, die Sätze wie “Kannst du uns das bis längstens Freitag Mittag machen? Seitens des Kunden wäre es dringend…” reagiere ich nicht mehr.
  • Wenn ich sage, ich bin ausgelastet, kann ich nichts anderes mehr “dringend zwischendurch erledigen”.
  • Wer mich aus geschäftlichem Interesse telefonisch nicht prompt erreichen kann, aber keine Nachricht über den Grund des Anrufes hinterlässt (sondern stattdessen lieber mehrfach anruft), erhält niemals einen Rückruf!
  • Vormittags bin ich generell nicht erreichbar.
  • Für unüberschaubare Projekte kann ich künftig keine Pauschalpreise mehr anbieten.
  • So wie ich mich an Deadlines halte, sind auch Rechnungen mit erreichen dieser sofort fällig – ansonsten: www.moskau-inkasso.com

Darüber hinaus fordere ich alle Codemonkeys auf, ebenfalls keine Arbeitsbedingungen mehr zu tolerieren, über die jeder einfache Handwerker nur lachen würde. Und die WKO, die schließlich großteils Ein-Personen-Unternehmen vertritt, sollte endlich auch diese wirklich vertreten, statt völlig stumpfsinnige Werbeschaltungen gegen irgendwelche Vermögenssteuern zu finanzieren.

PS.: Nein, das richtet sich nicht gegen alle Kunden, keine Sorge Aleks… naja, abgesehen vom Paulschalpreis vielleicht ;-)

Leere

01. Oktober 2013

“Euer Gott sind Wörter”, sagte Brinkmann – immerhin, meiner ist ein Bildschirm, wie schon oft beklagt! Wäre ansich ja nicht schlimm, gäbe es nicht das Diktat, was mit welchen Codes zu produzieren sei. So absurd, als wollte Gott durch Codes produziert werden. In gewisser Weise könnte man so manches Produkt auch so nennen, bloß nur nicht länger metaphysisch, und beten ohne Laptop hätte auch nicht länger Sinn. Man müsste also Brinkmann erweitern mit: “Euer [durch Codes produzierter] Gott sind Wörter”, wobei diese Wörter wieder nichts anderes sind als Codes – allerdings sinnlos gewordene. Hilft mir aber auch nicht weiter, weil ich mich mit Worten befassen will, aber an Algorythmen geknebelt, nur Codes ihren Sinn konstruieren – hier helfen auch keine Drogen mehr. Bloß unadressiertes Schreiben ins Leere…

Drang

21. August 2013

Das wäre ein permanenter Drang, ohne Ziel und Richtung. Es könnte alles versucht werden, und es wurde bereits alles versucht, wie auch weiterhin ständig und unaufhörlich alles versucht werden würde, und trotzdem bliebe es ohne Ziel und Richtung. So wird gesagt, einen Drang ohne Richtung gäbe es gar nicht, denn gäbe es ihn, bräuchte nichts versucht werden. Man könnte sich einfach schlafen legen oder, radikaler, sich gleich umbringen… was ja eigentlich das selbe ist, außer dass das eine, der Schlaf, ein Ende hat, während der Tod zwar keines, bloß das Leben beendet, welches der Schlaf dagegen temporär unterbricht – scheinbar: der Drang folgt nämlich bis in den Schlaf hinein. Wenigstens solange er keine Richtung hat. Doch es gäbe ihn gar nicht, einen Drang ohne Richtung, und das ist wohl wahr, wenn es vielmehr ein Drang mit unbekannter Richtung wäre. Dann soll es so aufgefasst sein!

Franz: “Scheinbar doch sehr einfach! Ich nämlich träumte letzte Nacht von einer ehemaligen Freundin. Ein seltener sexueller Traum, folgend: ein nach Bordell aussehendes Stundenhotel, ein Zimmer, die auch schon im Traum verlorene Freundin und ich. Das heruntergekommene sehr große Zimmer hatte 3 Türen. Erste Phase: wilder und meinerseits sehr dominanter Verkehr, primär anal, doch auch vaginal und anal zugleich (funktionierte im Traum auf eine unbestimmte Weise ohne Zuhilfenahme anderer). Zweite Phase: Störungen, nicht näher zu identifizieren, Unterbrechung des Sexualaktes. Dritte Phase: die Türen öffnen sich, Menschen strömen ins Zimmer – auffallend jedoch eher alte Menschen, doch auch Sanitäter, um die Alten wieder zu holen (ich war Zivildiener). Ich versuche die Menschen aus den Türen wieder herauszudrängen und zu schließen, während ich jedoch bei einer Türe beschäftigt sind, stoßen sich die anderen beiden wieder auf. Hoffnungslos. 3 Türen!

Phase eins ist scheinbar relativ leicht zu durchschauen, auch die Dominanz, während die zweite völlig unbestimmt bleibt – doch vielleicht der Schlüssel sein könnte. Stört hier die Dominanz oder schon der kommende Andrang der Leute? Die dritte Phase interessant: 3 Türen. Die Zahl 3 – die göttliche Trinität? Wohl kaum, wenn auch nicht ausgeschlossen. Doch Freud schrieb: ‘Vor allem ist für das männliche Genitale im ganzen die heilige Zahl 3 symbolisch bedeutsam.’ Naheliegend, wenn ein dominant-männlicher Akt mit einer Frau durch “Eindringlinge” gebrochen werden soll, dies ausgerechnet durch 3 Türen, dass es sich hier um einen Angriff gegen meine Männlichkeit handeln muss! Verstörend! Doch primär durch alte Menschen? Zugleich junge, schützende Sanitäter (wie ich einst einer war)? Sind all diese Menschen gar ich? Die Zukunft, das Alter selbst als Angriff der Männlichkeit speziell in Hinblick auf diese Frau? Ich selbst, als junger, schützender Sanitäter meiner eigenen Männlichkeit? Oder ganz anders: ein Angriff durch die 3 Türen also durch das Genital selbst – durch mich selbst! Dann wäre dies Eindringen durch das Genital ein Angriff gegen diesen Akt! Ein Über-Genital sozusagen, das dem gewöhnlichen Schwanz das Ficken – zumindest dieses – verbieten möchte!”

Franz schweig!

Alles so schwerfällig, das liegt nicht an dieser Hitze, sondern an der fehlenden Richtung. Vielleicht liegt es auch ein wenig an der Hitze, insofern ist ein kühles, entspannendes Bier durchaus angebracht zu öffnen, unangebracht hingegen, solches automatisch gedanklich rechtfertigen zu müssen… vor mir, genauer: vor etwas über mir: sinnlos gewordene moralische Instanzen, die nicht näher bestimmt werden müssen, wichtig jedoch, dass all diese es sind, die den Blick in die Richtung verbergen, denn Ich kennte die Richtung. Mehr noch, und paradox: sie selbst sind verantwortlich für den Drang, nähren ihn, werfen fortwährend Fleisch vor, stopfen sein Maul, und verstellen dennoch geschickt die Richtung, um sich selbst nicht zu verraten. Doch hier, in diesem Traum war die Richtung des Dranges klar… bis sich diese 3 Türen öffneten und das Über-Genital, das Über-Ich, bloß Störenfriede, oder was auch immer den Raum betrat.

Wie sie also zu verraten, diese Instanzen? Der Drang unbekannter Richtung beginnt mit leichtem Zittern, führt über stärkere Zuckungen zu einem Beben, das den Körper in tausend Fetzen zerreißt!

Warum ich nachts zu Boden blicke!

01. August 2013

die kinder der menschheit fallend aus unseren fenstern gehen nicht aus dem kopf, als hätte ich selbst gestoßen, zugleich selbst kind bin. keines fällt hinab, um seinen körper vom beton zerfetzen zu lassen, schlimmer noch, fallen sie endlos hinauf in den schwarzen himmel. der sinn des fallens in die tiefe liegt im aufschlag, soll heißen, gerade nicht im fallen, sondern in seinem ende. der sturz nach oben ist die real gewordene sinnlosigkeit, schon angedeutet im bloßen wahrnehmen des nicht zu fassenden sternenhimmels der dunkelsten sommernacht. und doch, ein blick in die vergangenheit, lang verglühte sterne zeigen sich immer noch, mehr noch, erst viel später. die hand gottes, die dich greift, umgeben von deinen nichtigkeiten, dich hinausschleudert ohne möglichkeit eines halts, eines haltens, bis dieser ort hier von einem augenblick zum nächsten vom punkt eines lichts zum nichts wird, wirft dich gnadenlos in die vergangenheit und zukunft zugleich. deine dich ausspuckende welt zerfällt mit einem schlage, erstarrt im rückblick so rasch wie das licht befördert. erstarrt in der dunkelheit des todes. vergangene unendlichkeiten stehen still im hineinfallen in sie selbst. die zeit ist verloren, das kommende bleibt das gewesene, und dieses löst die zukunft auf. beides rast in sich zusammen, das fallen der menschheit ist ein fallen ohne zeit und ende. das verwesende wirst du gewesen sein. doch nur für andere.

“in”

26. Juli 2013

Was denn auch zu schreiben? Welche Sätze herauszuwürgen? Als Brücke? Eine Krücke, nicht mehr, nicht mehr, als all die anderen. Ablenkungen, wovon? Diese Distanz zu Allem, was sonst? Illusion, überall, statt Isolation. Leere Begriffe, nicht mehr, aber niemals Brücken. Zeig mir ein Leben, das keine Ablenkung ist, Ablenkung vom Leben selbst, denn das Leben selbst ist eine Illusion, was sonst, als eine Illusion, wozu denn sonst als einzige Ablenkung, wenn nicht, um die Illusion zu leugnen? Sieh Dich um, wozu sie sich aus dem Bett erheben, als Lüge eines Erhebens, am Boden ihrer Gewohnheiten kleben bleiben, unserer. Ich habe diesen Druck im Ohr, immer häufiger, frage mich, wann die Menschen damit begonnen haben, sich die Zähne zu putzen. Das kann ich verstehen, sehr gut sogar – sich die Zähne zu putzen, aber ich weiß nicht, wann es notwendig wurde, sich die Zähne zu putzen, mehrmals täglich. Zähne als einzig logische Ablenkung, all das andere? Was denn sonst tun, atemlos? Nachts zu leben ändert nichts, bloß die Rituale. Nachts sind die Neurosen authentischer, denn Tags sind die Zwänge bereits gelegt. Man muss die Schuhe bloß zubinden, morgens. Festes Schuhwerk auch bei der Wanderung erforderlich, der klare Sternenhimmel in der dunkelsten Nacht bereitet niemanden mehr Angst, genauso wenig wie der schwarze Ozean, unendlich tief der eine, unendlich weit das andere. Die Lügen der Kirche bleiben unerhört, wenn die Illusion gar nicht mehr in den Sinn kommt. Geregelt und geklärt. Herrlich schön in der Natur, die dich fortwährend in das Nichts spuckt – wozu ein Schuhwerk, bei der Unmöglichkeit einer Berührung? Das “in” ist die Illusion. Unendlich fern, als die Distanz liebender Menschen – bis in den Tod, das ist die Lüge. Dein Ende erfährst Du allein, allen Ablenkungen zum Trotz – und dann wird das Leben nie begonnen haben werden…

dies ist kein text

25. Juli 2013

alles versucht in den letzten zwei jahren, zwecklos. kürzlich den hinweis erhalten, dass gewisse stoffe ihren wirkstoff erst über den darm entfalten. jahrelang nicht darüber nachgedacht, und nun die vorstellung: zuerst in den mund, schlucken, über den rachen zuerst in den magen und erst dann irgendwann in den darm, von dort der wirkstoff in mein blut, das mein herz schließlich in mein hirn pumpt. jahrzehntelang nie in den sinn gekommen. also kotzen und dann schlucken. wie sich das liest: kotzen und schlucken – eigenschaften einer modernen frau. alles versucht in den letzten zwei jahren, aber keinen text produziert. keinen inhaltsvollen text, keinen inhaltsleeren text, keinen formschönen text, kein unförmliches wortchaos. nichts. aber alles versucht. immer nur alles versucht, aber nichts produziert. wären die versuche selbst ein text, dann ja, aber keinen text produziert. alles versucht: arbeit: ermüdend, liebe: zwecklos, leiden: kitschig, tabletten: vom schwachsinn zum hangover. vermessen zu sagen, ich hätte alles versucht. nein, ich habe gar nichts versucht. arbeit wegen den umständen. liebe hat mich versucht. es hat gelitten in mir. nungut, für die tabletten übernehme ich die verantwortung. doch das mit dem darm – wer hätte das wissen können? jahrelang geglaubt, berauscht zu sein, während ich nüchtern war, jahrelang mich dann nüchtern gefühlt, als ich endlich dem rausch unterlegen war. alles versucht, in mir. immer noch, und schon wieder kein text hier – ein text des textes wegen, mehr nicht. meine eigene sprache liegt vor mir wie ein verkrüppelter wachkomapatient. keine worte, keine rhythmik. warum kein tourette? das ist meine spur! alles gesucht in mir, alles versucht mit mir, alles verflucht. aber wie oft bin ich früher in einer massenvorlesung gesessen, als mir plötzlich ganz heiß wurde, und das gefühl hatte, ich müsste augenblicklich aufstehen und “halts maul du fotzeeee!” herausbrüllen. nie getan, hoffe ich. oft überlegt, ob nicht doch. aber nein, leider kein tourette, bloß eine vorstellung – eine sehr schöne. letztens gehört, direkt: “das opfer fordert den täter heraus” – das nenne ich schwachsinn, größtmöglicher, dümmster schwachsinn, der im moment seines ausdrucks, wenn auch nur in diesem einen fall, aber doch in diesem fall vom schwachsinn zum wahrsinn wird – gleich in den kopf schießen. was, wenn nicht dieser sprechakt sollte eine herausforderung sein, ein opfer zu produzieren. insofern bezeichne ich ab sofort all jene, welche solche sätze produzieren als freiwillige opfer, selbstmörder. das ist meine spur. denn sprechen funktioniert – das performative, unmittelbare ist nicht zu bändigen und da, immer da. immer da, ja sogar dann mit emotionen, ausbrüchen, und – maria im himmel verzeih! – aggressionen! gewissen menschen mit einer gut geschärften kleinen axt ins genick zu schlagen, gerade so, dass es bricht; der schädel darf gerne dran bleiben. am rande dazu eine anmerkung: es gibt in meiner parallelgasse jemanden, der jedes mal, wenn ich mit meinem vw-bus in dieser gegend parke, und tatsächlich jedes mal! – ich parke selten dort aus diesem grund, vier mal in diesem jahr, und vier mal das selbe – … der also jedes mal einen seitenspiegel meines vw-busses abreißt – meist gehsteigseitig. also hier zum beispiel: parken, warten und ein kleiner schlag von hinten mit der hacke ins gnack. (falls betroffene person dies zufällig liest: nicht, dass sie mir dann mit ihren letzten worten kommen, sie hättens nicht gewusst!) gäbe noch viele andere… so manch ein nachbar; jeder besoffene, der vor meiner tür uriniert; prinzipiell alle, die nicht fähig sind, einen sinnvollen satz zu produzieren; vertreter, besser gesagt: alle, die unangekündigt an meiner türe läuten, aber insbesondere vertreter: kirchenvertreter – hier sagt der begriff ja schon alles; versicherungsvertreter; verkäufer; generell verkäufer, die sich dem modell eines pyramidensystems bedienen – verachtenswert; speziell herbalife verkäufer, die ihre diätpillen in achtunddreißig verschiedenen yogastudios magersüchtigen kindern verkaufen, nebenher verkäufer fürs verkaufen zu gewinnen, um ganz frei von deren moral mitzunaschen. “mit”-zu-naschen scheint generell ein phänomen bei verkäufern zu sein. also geld: all jene, die etwas nur, d.h. ausschließlich wegen geldes tun: ins genick mit der hacke. hier vielleicht sogar: kopf ab, anlaufen, durchziehen – ein schuss bis in den letzten rang hinauf!

das ist meine spur! und jetzt, da mein magen gerade leer ist, ein schlafmittel, damit der zweite absatz etwas flüssiger wird… und eine rauchpause bis zum darm. sollte doch schneller gehen… mal sehen. als selbstkritischer geist, kann ich freilich jetzt sagen, dass dieser schwachsinnigste, dümmste satz “das opfer fordert den täter heraus” neben dem genannten einzigen fall, wenn der sprecher dieses satzes wegen dieses satzes zu einem opfer werden muss, auch in den oben genannten fällen stimmen könnte. also wenn ich endlich all diesen leuten das genick brechen bzw. ihnen ihren kopf abschlagen werde, könnte durchaus gesagt sein: sie hätten es herausgefordert. kann man aber nicht, denn sie sind zuerst einmal die täter. die opfer sind andere, ich bin bloß der henker. um das jetzt aber doch noch weiter – lächerlich – zu relativieren, vermutlich allein deshalb, weil morgen keine polizei an meiner türe läuten sollte, denn oben ist schließlich beschrieben, was mit jenen passiert, soll gesagt sein: ich besitze noch keine hacke! und um die wahrheit zu lügen: ich würde mir auch keine kaufen – zumindest nicht für diesen zweck. doch es ist die spur. sie kommt auch ohne verbrechen aus. eine sprache, die sich im wachkoma befindet – nach wie vor, denn auch dies ist kein text – kann auch heftig geschlagen und getreten werden, bis sie vielleicht zurückschlägt und zurücktritt. wie es im sprechen funktioniert, sollte erst lauter gesprochen werden. wie man sich liebt, sollte erst richtig gefickt werden. und wo es schwachsinnig zugeht, sollte erst ein “halt dein maul, hurenkindfotze” genügen dürfen.

doch es ist wieder verkampft, es ist wieder wortlos, es ist wieder ohne rhythmus. es ist wieder kein text. und die geschichte mit dem darm? nichts zu merken. neue drogen? ist es das? neue drogen – neue sprache? oder briefe an die eltern statt an herrn s.? was inspiriert denn überhaupt noch in einer solchen scheißwelt? wenn der DJ-index abstürzt? verkrüppelte menschen, die sich nie ändern? nie! umgeben, täglich, ständig, von der größten scheiße, permanent, überall. steh ich letztens in kaisermühlen, rechts bei kaisermühlen verkrüppelte, besoffene menschen; links neue, hohe, tote betonhäuser menschenleer – sofort kotzen und 2mg schlucken! aus dieser zeit kann alles produziert werden, bloß keine texte mehr… nicht ohne neue spur…