Meine erste Shell Extension: Recent Items

13. Dezember 2011

recentitems Ich geb’s ja zu – während ich die Arbeit fertig schreiben sollte, verfalle ich häufig der technischen Spielerei. Aber GNOME 3 mit seinen neuen JavaScript Anbindungen verleiten dazu. All jene, die GNOME 3.x mangels Konfigurierbarkeit kritisiert haben, vergessen nämlich die Extensions (auch wenn es für das Grundsystem noch kein breites Verwaltungstool als GUI gibt). Obwohl erst kürzlich gestartet, gibt es auf extensions.gnome.org schon eine Vielzahl nützlicher Erweiterungen. Mir fehlte aber jenseits von “Zeitgeist” die übliche Möglichkeit, zuletzt benutzte Dateien einfach aufzulisten und zu öffnen (und nicht nur danach zu suchen, wie in der Shell). Seltsam, dass es eine solche Extension noch nicht gab, doch bieten sich gute Möglichkeiten, eine solche mit wenigen Codezeilen zu implementieren. Mit …

DocInfo = imports.misc.docInfo;
DocManager = new DocInfo.DocManager();

… erhält man nämlich ein Array mit allen Informationen zu den entsprechenden Dateien, bereits sortiert: DocManager._infosByTimestamp[]. Es zahlt sich also aus, die umfangreichen Anbindungen einmal genauer anzusehen. Es lässt sich damit dank GNOME mit dem Desktop sehr viel anstellen. Und es werden jeden Tag mehr Beispiele auf extensions.gnome.org…

Meine fertige Extension kann übrigens auch direkt von dieser Seite installiert und aktiviert werden:

https://extensions.gnome.org/extension/72/recent-items/

Der Code findet sich hier: GNOME

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Kein Anschluss unter dieser Nummer

19. November 2011

Für alle die sich wundern, dass sich weder hier noch da bei mir etwas tut: nein, ich bin noch nicht im Irrenhaus, ich muss bloß die Arbeit fertig schreiben. Es sei mir also verziehen, dass ich alle Einladungen ignoriere, die ich sonst ohnehin ignorieren würde. Spätestens im Laufe des Jänners sollte sich dieser Zustand allerdings geändert haben – dann werde ich vermutlich tatsächlich im Irrenhaus sein.

Wer sich darüber hinaus wundert, dass unter meiner Telefonnummer nur ein abweisendes Tonband zu hören ist: ich habe vor ein paar Tagen meine Rufnummer von A1 zu Drei portieren lassen. Alle österreichischen Netzanbieter haben auch das neue Routing in ihren Datenbanken richtig eingetragen. Alle? Naja, fast: Orange ist bis dato nicht dazu fähig, die Änderung zu übernehmen. Sollte jemand von einem Orange-Handy also nicht durchkommen: versuche es von einem Handy eines beliebigen anderen Anbieters…

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Polizeiwillkür

23. Oktober 2011

Es ist Samstag, kurz vor 20 Uhr, als ich einen Parkplatz im 8. Bezirk suche. Ich beobachte zwei Menschen, die gerade in ihr Auto einsteigen. Also Blinker raus, am rechten Fahrbahnrand warten, bis die Herrschaften ausgeparkt haben – hinter mir eine Polizeistreife, die mich mit Lichthupe (offenbar haben diese den ausparkenden Wagen nicht wahrgenommen) zum weiterfahren auffordert. Ich – nüchtern und keiner Schuld bewusst – deute mit den Finger auf den Wagen, um zu zeigen, dass ich mich einparken möchte. Gezeigt, getan, ich parke ein. Glücklich über den Parkplatz, und gelassen beobachte ich also die Beamtin, die nun auf mein Wagen zugeht: ich kurbel mein Fenster runter: “Fahrzeugpapiere!”. Da ich eine Zigarette in der Hand halte, welche ich brauche, um meine Papiere aus der Tasche zu holen, stecke ich die Zigarette in meinem Fahrzeug sitzend in meinen Mund, um der Dame meinen Führerschein zu überreichen mit den Worten: “ich habe hier nur gewartet, um einzuparken”, worauf die Antwort kam “Mit der Zigarette im Mund spricht man nicht, steigen’s aus!”. Ausgestiegen wurde ich auch sofort aufgefordert, die Zigarette aber auf der Stelle auszumachen (warum eigentlich?). “Ja und, hamma nicht was vergessen – die Markierung im Führerschein, ha? Da fehlt doch was!” Ich, jetzt ohne Zigarette: “Bitte?” … schweigen… Geistesblitz! Weiter ich: “Ach das meinen Sie – die Markierung bedeutet, dass ich mit Brille ODER Kontaktlinsen fahren muss” (hatte ich extra genau so eintragen lassen) “… und die Kontaktlinsen trage ich jetzt.” Es folgt das Ritual der Apotheke, des Pannendreiecks, der Warnwesten (wusste ich gar nicht, dass diese im Stadtgebiet mitzuführen sind). Jedenfalls alles im Bus – als ich das Pannendreieck aus dem Kofferraum krame, folgt die Aufforderung die Seitentüre zu öffnen, die ich nicht verstehe, da ich mit dem Kopf im Kofferraum stecke. Wieder “Bitte?”. Die Beamtin: “Öffen’s die Türe!”. Ich öffne die Türe. Ein Blick, ein Kommentar: “Das Kastl geht so nicht!” (Anm.: ich fahre einen VW-Bus, in dem hinter dem Fahrersitz ein Safe mit der Bodenplatte verschraubt ist (4x Stahl-Gewindeschrauben 15mm Stärke), und auf dem wiederum ein kleines Regal aus Laubholz(!) verschraubt ist – nicht höher als 50cm). Fassungslos erteile ich die Auskunft: “Beim Pickerl wurde es jedenfalls angenommen”. Im Glauben, dass nun alle möglichen Gesetzesübertretungen ausgeräumt sind, und darauf wartend, dass ich nun endlich entlassen würde, folgt dann der Anfang der Unglaublichkeit: “Und, was habens g’raucht?”. “BITTE?” “Ihre Augen sind gerötet.” “Ich sagte Ihnen, dass ich Kontaktlinsen trage, es ist Nacht, und ich habe sie lange drin – da kann das schon sein.”… “Außerdem, ihre Pupillen: die sind viel zu groß.” “Es ist Nacht, es ist dunkel! Ich habe nichts geraucht.” “Ich wurde schon oft angelogen. Wissens, Sie haben kein Benehmen”… Ich wieder: “Wie bitte?”… “Mit der Zigarette im Mund spricht man nicht.” … “Ähm, ich werde wohl in meinem Bus rauc…” … “Was haben’s für Medikamente genommen?” … “Bitte??? Keine! Und ich habe auch nichts geraucht!” … “Das wird der Amtsarzt feststellen – also, was habens genommen?” “Ich habe nichts genommen oder geraucht!” “Sie sind unharmonisch” … “?!?” … “Ich kenne Leute wie Sie, ich wurde oft angelogen!” Ich langsam genervt: “Sie können mich noch 10x fragen, es ändert nichts daran, dass ich nüchtern bin. Aber das wird jeder Test bestätigen.” – Forsch: “SAGEN SIE MIR NICHT, WIE ICH MEINE ARBEIT ZU MACHEN HABE – WIR NEHMEN SIE MIT! Ich erkläre Ihnen jetzt, wie das läuft!!!” Ich wieder: “Ich bin wirklich nüchtern – lalle ich? Wirke ich langsam?” “Mir gefallen Ihre Augen nicht” …. ich halte mich zurück.

Es geht weiter – ein paar Zuschauer gibt es schon: “Stellen Sie sich auf ein Bein!” – ich folge. “Schauen Sie auf meine Nasenspitze!” – ich folge, Taschenlampe blendet mich, ich blicke kurz weg… “AUF MEINE NASENSPITZE HABE ICH GESAGT!” … ich folge wieder. “Nein nein, ich mache den Beruf seit 20 Jahren – was haben Sie geraucht?” Ich wieder: “Ich kann Ihnen nur sagen, was der Fall ist – nichts!” … “Das sagen alle, mir gefallen Ihre Augen nicht.”… ich halte mich wieder zurück. “Von mir aus, der Test, wird bestätigen…” – “ERKLÄREN SIE MIR NICHT MEINE ARBEIT! Wir fahren! Taschen ausleeren, zeigen!” Gesagt, getan. “Haben Sie ein Messer einstecken, oder andere Waffen?” … ich darf einsteigen.

Auf der Rückbank, ein letzter Versuch: “Entschuldigen Sie, Sie können, wenn Sie wollen, meinen Vater anrufen, der ist ein Kollege von Ihnen (Anm.: mein Vater ist tatsächlich Polizist), und ihn fragen, ob ich irgendwelche Drogengeschichten laufen habe….” Keine Reaktion…. Ich weiter: “Ähm, haben Sie mich gehört… meine Frage?”… “ICH KANN IHNEN NOCHMALS ERKLÄREN, WIE DAS HIER LÄUFT… MIR GEFALLEN IHRE AUGEN NICHT!”… Ich: “War nur eine Frage, die mit ja oder nein…” Wir fahren…

Die Gespräche haben sich bis dahin nur zwischen der Beamtin in mir abgespielt – der zweite Polizist, mir schien, er war ebenso genervt von diesem Vorgehen, sagte kein Wort.

Im Wachzimmer, Alkohol 0.0 – das durfte der Kollege überprüfen, dann wieder die Beamtin: “Die Amtsärztin kommt gleich… stellen Sie sich nun auf ein Bein, das andere strecken Sie gestreckt nach vorne!” Ich, schon mit meinen letzten Nerven, versucht jede Wut zu unterdrücken, angespannt… folge. (Muss eine Yoga-Übung sein – die auffordernde Beamtin hätte diese Übung jedenfalls nicht geschafft!) “Und nun, Augen zu!”. Ich folge… Nach einigen Sekunden, auf einem linken Bein stehend, mit durchgestrecktem Rechten in der Höhe bei geschlossenen Augen, beginnt die Körperspannung zu zittern “AHA! SIE ZITTERN JA”. “JA! Langsam bin ich auch angespannt und nervös!” “DIE PUPILLEN SIND IMMER NOCH GROß”… hach. “Wann kommt die Ärztin?”… “Gleich!” Ich sitze und warte. “Diese frustrierte, paranoide Schachtel… Ihnen geht es ja nur darum, mich zu schikanieren von Anfang an. Wenns das Pannendreieck nicht ist, und auch kein Alkohol, dann machen wir halt die ganze Demütigung!” … Nein, das habe ich nicht gesagt, sonst hätte ich die Nacht dort verbracht – was fällt mir auch ein, in meinem Wagen zu rauchen und zu behaupten, ich würde nichts illegal rauchen! “Was machen’s eigentlich?” Student auch noch! Und der rote Stern am VW-Bus!

Es geht weiter. “Krankheiten?” “keine” “Medikamente?” …. Was geht die das an? Nebenher Abfrage im Computer, der aber nichts ausspuckt – verdammt! “Und, können wir schon aufs Klo gehen, dann sind wir schneller fertig, wenn die Ärztin da ist!” Ich: “Bitte, von mir aus” (noch im Glauben, ich dürfte alleine aufs Klo). “Leeren Sie zuerst alles aus Ihren Taschen aus, und legen es hier hin.” Ich räume Handy, Brieftasche, Schlüssel, Zigaretten auf den Tisch. “Sind die Taschen jetzt alle leer??? Sicher???” Ich taste mich selbst ab: “JA!”, während ich hoffe, nicht abgetastet zu werden, weil ich in einer Tasche noch ein von meinem Arzt verschriebenes Medikament einstecken habe, das aber niemanden etwas angeht, solange es nicht in meinem Magen ist, während ich am Steuer sitze, sondern in meiner Hosentasche. Die Beamtin hätte es ohnehin sofort als LSD, Opium oder sonstiges identifiziert nach 20 Jahren Erfahrung, auch wenn es nur mein Kopfwehpulver war! Ich werde zwar nicht durchsucht, aber der männliche Beamte (der im Vergleich zu seiner Kollegin sehr korrekt war) war wohl verpflichtet, mich beim Urinieren zu beobachten. Ich packe also aus und drücke – Blase leer. “Ähm… also mit leerer Blase in dieser angespannten Situation, wenn Sie noch dazu neben mir stehen… also das wird nicht funktionieren.” Wir gehen wieder raus, Beamter zur Beamtin: “Momentan nicht möglich.” Beamtin: “A-HA!”… Ich: “Wann kommt die Ärztin?”… Beamtin: “In 5 Minuten”… Eine weitere Dreiviertelstunde vergeht… “Darf ich telefonieren?…” Wenigstens das…

Endlich kommt die Ärztin, sucht den Junkie, findet ihn nicht, schaut dann zu mir, und sagt, sie kommt gleich. Ich darf dann meine Venen vorführen (Überraschung! Keine Einstichlöcher! Komisch!). Meine Pupillen werden ausgemessen und mit jenen eines Beamten verglichen! (Seine sind nur 2mm kleiner – DIESER KIFFER! UND DAS IM DIENST!) Dann kann ich endlich unter Beweis stellen, trotz meines unglaublichen Drogenrausches noch ein Zeitgefühl zu haben: ich habe eine halbe Minute geschätzt… mein “STOP” war allerdings bei 32 Sekunden und nicht bei 30… naja, fast. Meine Finger habe ich getroffen mit geschlossenen Augen (das schaffe ich normal nie – aber ich liebe ja die Herausforderung), und die Nasenspitze auch (wie auch schon zuvor auf der Straße vor Publikum, als auch am Wachzimmer vor versammelter Mannschaft und vor dem Asylwerber, der eigentlich Mistelbach nie verlassen hätte dürfen und in der Josefstadt nichts verloren hat, wie ich dort erfahren habe; er durfte dennoch gehen: die Beamtin im falschen Beruf habe ja ich erwischt – zum Glück: mich kostet sie nur Zeit und Nerven, dem Asylwerber möglicherweise sein Leben). Ob ich Schlafpulver nehme, wollte die Ärztin dann wissen. Ehrlich, wie von Anfang an, gab ich zu Protokoll, dass ich vor 3 Tagen eines genommen habe. “AHA!” (Wirkt wohl noch nach!) Ich buchstabierte den Wirkstoff, anschließend den Markennamen. Die Ärztin wendet sich zum Computer und gibt das ganze in Google ein (!!!!!). Ich, trotz meines massiven Drogeneinflusses erkenne, dass sie Ärztin den Wirkstoff nicht richtig schreiben kann, und korrigiere sie – nun findet sie ihn endlich. Im lustigen Betäubungsmittelhandbuch blättert sie dann eine Zeit lang, gibt es dann aber auf. Obwohl ich, als Dr. Fleisch, mir sicher bin, dass es dort zu finden ist… Ich habe aber auch vor 48 Stunden ein kleines Bier getrunken – die Halbwertszeit des Alkohol ist nicht zu unterschätzen, daher habe ich das verschwiegen! Nun durfte ich noch einige lustige Linien nachzeichnen, mit geschlossenen Augen gehen, usw. usf. Als Junkie bin ich irgendwie nicht durchgegangen, warum auch die Beamtin, die mich schikanierte beim 2. Test schon verschwunden ist.

Am Ende kamen dann doch beide wieder – es wäre “ihr Beruf” unauffällige Leute, die große Pupillen haben, aufs Wachzimmer zu schleifen. Einmal, und das hatte sie mir schon im Auto erklärt, wurde dadurch eine unerkannte Augenkrankheit eines potentiell Drogenabhängigen entdeckt – der war ihr dann dankbar… angeblich (in dem Moment der Erzählung dachte ich tatsächlich, ich sei irgendwie auf Drogen). Na, ich glaube, mit meinen Augen ist alles in Ordnung, bloß nicht mit dieser Beamtin. Es gab aber auch einen ausgesprochen lustigen Moment (wobei das ganze Theater natürlich auch wieder absurd-komisch war), nämlich, als einer der Beamten einen privaten Handy-Anruf erhielt – sein Klingelton war die Sowjethymne. Dieser Beamte hätte mich nicht schikaniert, wenn er einen VW-Bus mit rotem Stern sieht.

Zu unser aller Überraschung hat schließlich die Amtsärztin – es war mittlerweile nach 22 Uhr – festgestellt, ich sei tatsächlich fahrtauglich und hätte keine Drogen zu mir genommen (ich war zu dem Zeitpunkt schon im festen Glauben, ich würde als Junkie verhaftet und am Folgetag als Schizophrener eingewiesen…). Zwar würde ich jonglieren können, sei ein Yogi, könnte Karriere sowohl als Seiltänzer, als auch als Logotherapeut oder Rhetoriker machen, doch die 2mm größeren Pupillen als die des Vergleichs-Menschen (der schweigende Beamte), konnten meine Drogenabhängigkeit nicht nachweisen!

“Und, wie komme ich jetzt zu meinem Auto?” – “Ach, gehen’s einfach die Gasse runter – so weit ist es ja nicht, und ich hab jetzt keine Zeit”, sagte mir die feine Dame von Freund und Helfer. Ich hatte es längst schon aufgegeben, irgend etwas gegen diese Vorgänge zu sagen, und sagte nur “Danke, auf Wiedersehen”. Schön nur, dass ich mich kurz vor meiner Abfahrt frisch gebadet, rasiert, gewaschen, Zähne poliert habe… Deo und Parfum aufgetragen, meine Lieblingshose, meinen frisch gewaschenen Pulli angezogen… also alles, was man machen muss, um wie ein Junkie zu wirken. Ich war schließlich am Weg zu meiner Lieben… Nach 3 Stunden Polizeischeiße war nicht mehr viel vom Abend übrig – die Party war vorbei…

Ich habe mir jetzt zwei Bier rein geleert, und eine Schlaftablette genommen – jetzt von mir aus… aber wer sitzt jetzt im Auto? Willkür! Schikane! Terror!

Danke liebe Beamtin aus der Polizeidienststelle Wien Josefstadt! Sie sind bestimmt auch unter Ihren KollegInnen und AmtsärztInnen sehr beliebt!

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45. Brief an Herrn S.

28. August 2011

Geehrter Herr S.,

ich bin veranlagungsbedingt eher der zwangsneurotische Typ, womit übrigens erklärt werden kann, warum ich so ein perfekter Mensch wurde. Auch beim Lesen. Ich kann nicht mit dem nächsten Satz beginnen, ehe ich nicht den vorherigen vollständig begriffen habe. Daher ist das Lesen für mich auch eine unglaublich anstrengende Arbeit, die dementsprechend viel Zeit in Anspruch nimmt. Beispielsweise habe ich für das Lesen des Werks “Der Schatz im Silbersee” acht Jahre benötigt. Sie können sich nun auch vorstellen, Herr S., dass mich die Massenmedien, vor allem seit sie digital geworden sind, das heißt also, seit der Medienkonsum eines einzelnen Inhalts für mich potentiell bis ins Unendliche wiederholbar gemacht wurde, und zwar so lange von mir real wiederholt wird, bis ich jeden einzelnen Sinn in ihren einzelnen verblödeten Inhalten begriffen haben würde; dass mich diese digitalen Inhalte, die ja gar keinen Sinn mehr haben, die schon allein grammatikalisch ganz unmöglich zu verstehen sind, da die Menschen vor ihren Bildschirmen, die keine Menschen mehr sind, da sie ihre Sprache nicht mehr, und ihre Technik noch immer nicht beherrschen, genau wie die Moderatoren vor ihren für meinen Bildschirm gemachten Videoaufnahmegeräten, ihre verkrüppelten Sätze in den Raum werfen; dass mich eben diese ganz unmöglich zu verstehenden verblödeten Sätze, die ich, bis ich die unmöglich zu verstehenden verblödeten und sinnlosesten Sätze verstanden habe würde, was von vornherein vollkommen auszuschließen ist, zwangsläufig unendlich oft wiederholen und also bis in alle Ewigkeit neu lesen und hören muss; dass mich eben diese Umstände schließlich zuerst in den Wahnsinn treiben und ins Irrenhaus befördern werden.

Dies nur zu meiner Rechtfertigung,
Ihr Herr H.

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Die Bilder von der Insel

31. Juli 2011

Das flickr-Album ist hier.

anlauf - brumm whale chine whale chine whale chine whale beach whale beach whale beach whale beach whale beach isle of wight blackgang chine whale chine whale chine blackgang isle of wight, uk blackgang chine blackgang chine southampton camden hippie shopping queen mary 2 at southampton my friend at camden camden town queen elizabeth II bridge ich hab sie caro genannt FIGHT! blablabla brüssel calais dover to calais calais calais calais calais calais calais sonne dover calais calais dover dover dover zwei blubb blobb dover dover dover schmusen seagull alum bay the needles alum bay alum bay freshwater bay freshwater alum bay alum bay alum bay alum bay alum bay alum bay the needles compton bay mmmh compton bay ryde ryde cowes cowes isle of wight festival isle of wight festival isle of wight festival lets go newtown bay mars newtown bay newtown bay newtown bay newtown bay guter bus! dover compton bay

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Richtungsding – Zeitschrift für junge Gegenwartsliteratur

21. Juni 2011

Richtungsding

Die Ausgabe III der Zeitschrift Richtungsding ist von Harald Gerhäußer und Jan-Paul Laarmann herausgegeben worden. Ich freue mich, dass einige meiner Briefe darin erschienen sind!

Platz gefunden haben nicht nur ältere, bereits bekannte Briefe:

brief1

… auch bisher unbekannte sind dabei:

brief2

Ich bedanke mich.
Einfach bestellen, hier: http://www.richtungsding.com/bestellung.htm

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Zeitraffer – Cowes, Isle of Wight

10. Juni 2011

Watch in HD

Aufgenommen mit einer Nikon D90; Intervall-Steuerung durch pyKake am Nokia N900. Nach Sammeln der Bilder sind noch zwei Schritte notwendig:

Erstens: Vorformatieren mit imagemagick und passend benennen:

#!/bin/bash
COUNTER=1
for file in *.JPG; do
  convert -resize 1280 -crop 1280x720+0+0 -level 10%,90%,1.0 "$file" frame_"$COUNTER".jpg
  let COUNTER=COUNTER+1
done

Die Kodierung erledigt ffmpeg:

ffmpeg -f image2 -r 30 -i frame_%d.jpg -vcodec libx264 -vpre hq -crf 18 video.mp4

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Georg Schramm: Kleinkunstpreis Baden-Württemberg 2011

20. Mai 2011

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35. Brief an Herrn S.

25. April 2011

Treuer Herr S.,

ich bin ohne meine Belegschaft kurzfristig nach Paris gereist, da ich in Österreich die notwendige psychiatrische Versorgung nicht mehr vorfinde. Etwas will mich vernichten. Zuerst wurde die Wirklichkeit vernichtet, danach wurde meine Arbeit vernichtet, anschließend wurde ich als Arzt vernichtet, abschließend will man mich selbst vernichten. Dieser teuflische Plan der Macht wird allerdings mindestens beim letzten Punkt kläglich scheitern – ich bin voller Optimismus, voll Optimismus gepumpt, mit meinen letzten Benzos vollgepumpt. Nun bin ich hier, ganz ohne meine Belegschaft, das heißt also auf mich allein gestellt, hier in Paris, um mich als so genannten Patienten versorgen zu lassen. Hier in Paris werde ich äußerlich nicht erkannt, meinen Namen darf ich freilich nicht nennen, wie Sie sich vorstellen können, mein guter Herr S. Herr H., Vorreiter auf dem Gebiet der Psychiatrie, Diskursbegründer der Wirklichkeit, Gehirnpysiologe, Nobelpreisträger. Hier in Paris, mein lieber Herr S., nenne ich mich nicht Herr H., sondern stelle mich als Herr N. vor.

Gleich nach meiner Ankunft war ich überrascht, dass es hier in Paris eine unglaublich hohe Anzahl von Negern, wie wir in Österreich sagen, gibt. Diese Drogendealer sind erstaunlich gut gekleidet, ganz anders als in Wien, völlig ununterscheidbar von der übrigen Bevölkerung, abgesehen von der Hautfarbe natürlich. Das illegale Drogen- und Pharmageschäft muss hier äußerst gut laufen, war ich zunächst überzeugt, doch meine anfängliche Begeisterung wich schnell der Enttäuschung: Kein einziger Neger konnte mir eines meiner gewünschten Psychopharmaka verkaufen. Unglaublich, die meisten kannten nicht einmal die Namen der gefragten Stoffe, obwohl ich ein ganz vorzügliches Französisch spreche, wie Sie wissen, geschätzter Herr S. Vielleicht sind die Pariser Neger für andere Tätigkeiten eingeteilt, womöglich im Rahmen einer Arbeitsbewilligung, aber das ist undenkbar. Können Sie sich das vorstellen, Herr S.? Stellen Sie sich einmal das Gelächter im österreichischen Parlament vor, wenn das jemand vorschlüge!

Nun, ich werde daher morgen in eines der örtlichen Irrenhäuser fahren, um mir meine Vorräte anzulegen. Bester Herr S., Sie schreiben gar nichts mehr über Ihre verlorene Liebe – haben Sie sie etwa schon überwunden, oder verheimlichen Sie mir etwas?

Bitte schreiben Sie mir Ihre nächsten Berichte an meine Pariser Adresse, welche ich für Sie am Kuvert notiert habe.

Aus der Ferne,
Herr H.

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33. Brief an Herrn S.

02. April 2011

Liebster Herr S.,

ich habe meine Zulassung als Arzt verloren und wurde damit aus dem Irrenhaus fristlos entlassen. Drei meiner Patienten (alle männlich) haben sich in den vergangen Tagen umgebracht, während ich noch lebe. Der erste hat sich aus Angst vor der Strahlenkrankheit mit den von mir verschriebenen Schlaftabletten umgebracht, der zweite hat sich aus Angst vor der Strahlenkrankheit vor die U-Bahn geworfen und der dritte hat sich aus Angst vor der Strahlenkrankheit seinen Penis abgetrennt und sich anschließend einen Pornofilm angesehen. Völlig widersinnig, diese Angst vor der Strahlenkrankheit, führt sie doch wieder nur in den Tod, während die Angst vor dem Wahnsinn etwa, die Angst vor der Wahrheit (was ja ein und das selbe ist) oder die Angst vor dem Tod selbst wiederum durchaus verständlich ist. Aber davor hatten meine drei Patienten keine Angst, sie hatten Angst vor der Strahlenkrankheit und haben sich aus Angst vor der Strahlenkrankheit umgebracht. Und ich habe wegen deren Angst vor der Strahlenkrankheit meine Zulassung verloren, mir wurden wegen der Angst vor der Strahlenkrankheit meine Patientinnen und Patienten sozusagen weggenommen, ich kann nicht einmal mehr Medikamente verschreiben, ich kann nur noch Ihnen, mein treuer Freund, eine freundschaftliche Beratung anbieten, Ihnen, und meinem engsten Kreis. Der Verlust meiner Zulassung – zweifellos ein Racheakt der Forschungsgemeinde, schließlich steht der psychiatrische Fortschritt seit meinem Rückzug völlig still.

Ich muss mich nun zunächst um mich selbst kümmern. Da ich nicht nur kein Arzt mehr bin, sondern sich auch die gesamte Kollegenschaft, diese ganze miese Kollegenschaft, perverserweise von mir, dem Nobelpreisträger, abgewandt hat (ich fühle mich ein wenig wie Arafat), stehe ich vor der Herausforderung, mich auf umständlichste Weise mit den naturgemäß in großen Mengen notwendigen Arzneien Lorazepam, Alprazolam und Zolpidem zu versorgen. In meiner Sorglosigkeit habe ich keinen Vorrat angelegt – mit solchen Umständen konnte nun wirklich niemand rechnen!

Ich werde Sie, meinen letzten Freund, auf dem Laufenden halten.
Ihr Herr H.

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