Archiv für Juni 2010

Hypochonder

Montag, 14. Juni 2010

Heute kam ein Mann in meine Praxis, der fürchtete, etwas am Herzen zu haben. Da er schon öfters, obwohl ohne Symptome, meine Diagnose verlangte, fragte ich ihn, ob er generell Angst vor Krankheiten hätte. Er antwortete darauf, er fürchte nicht die Krankheit selbst, sondern bloß den Tod, also ausschließlich potentiell tödliche Krankheiten. Er meinte außerdem, dass er unter allen Krankheiten, die zum Tod führen, nur solche fürchte, die das Leben mit einem Schlag, plötzlich und augenblicklich beenden. Meine Frage, ob nicht vielmehr solche Krankheiten Furcht erregend wären, die den Tod bereits lange zuvor ankündigen und einen langen Leidensweg des Verfalls in Gang setzen, verneinte der Mann – im Falle des sich ankündigenden Todes, meinte er, könne man sich immerhin auf ihn vorbereiten. Schließlich wollte ich wissen, wie er sich auf den Tod vorbereiten würde. Er dachte lange nach und sagte endlich, dass er sich wohl plötzlich und augenblicklich erschießen müsste.