8. Brief an Herrn S.

Sehr geehrter Herr S.,

zunächst muss ich mich bei Ihnen entschuldigen, Sie so lange auf meinen Brief warten zu lassen. Mein Diener M. ist nicht in Konstantinopel angekommen – während der Reise ist bei ihm eine hochgradige Manie ausgebrochen (er bezeichnet sich jetzt als „Dr. Phallus“ und befindet sich gegenwärtig immer noch im Osten Ungarns, um dort mit bloßen Händen eine fünfzig Meter hohe Penis-Skulptur zu errichten). Nun, nach meiner heutigen Ankunft in Wien musste ich erstens auf den Opernball. Es ist ein Skandal, dass ich heuer der einzige Demonstrant war! Sie, mein lieber Herr S., sind selbstverständlich entschuldigt, da der Aufbau des Bunkers äußerst kräfteraubend ist, wie ich weiß. Dankenswerterweise haben Sie es tatsächlich vollbracht, während meiner Abwesenheit, den Alprazolambestand auf 350g aufzustocken! Ich werde dies in meinem Empfehlungsschreiben berücksichtigen.

Ich hatte in Konstantinopel kaum eine freie Minute. Meine Vorträge über die Ergebnisse meiner Studie „Neuroleptika bei Säuglingen“ wurden begeistert aufgenommen. Sie werden gerne hören, dass ich zudem alle unsere Ziele erreicht habe: ich konnte mir einige MRT-Geräte ansehen, bestellte schließlich ein Ultrahochfeld-System mit einer Feldstärke von 12 Tesla. Es steht bereits in meinem Wohnzimmer. Der Kryostase betreffend werden nächste Woche drei Stickstofftanks geliefert. Ich werde Ihnen die genauen Spezifikationen nachliefern, aus Gründen der knappen Zeit soll es hier genügen anzumerken, dass wir bald vollständig ausgestattet sein werden, wie ich Ihnen versichern kann.

Sie werden verstehen, Herr S., wenn ich Ihnen von meinen persönlichen Erfahrungen später berichte – ich muss mir erst einen neuen Diener suchen.

Ihr erschöpfter
Herr H.

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