Mit ‘literatur’ getaggte Artikel

Wienzeile #66

Dienstag, 11. März 2014

Wienzeile 66Heute erscheint das supranationale Magazin Wienzeile in ihrer 66. Ausgabe und es freut mich natürlich, dass einer meiner „Rauschtexte“ dort Platz gefunden hat, schließlich lautet das Motto „AKUT“ (und auch die Faust passt)!

Die Präsentation dazu findet heute am 11.3. um 19 Uhr im Elektro Gönner statt. Es lesen: Kerstin Putz, Ines Birkhan, Gesche Heumann, Reimo Wukounig und ich. Details dazu hier: http://wienzeile.cc/news/48/.

Jedenfalls sollte die Wienzeile gekauft werden…

Ein Arzt

Sonntag, 29. Dezember 2013

Ein angesehener Arzt mittleren Alters wurde spätnachts von der Frau des emeritierten Professors angerufen, die in größter Aufregung um Hilfe bat, da es „schon wieder angefangen hatte“, wie sie sagte, „diesmal noch schlimmer“. Der Arzt sicherte zu, sich unverzüglich auf den Weg zu dem Haus des Ehepaars, das entlegen, weit außerhalb der Stadt direkt am Waldrand lag, zu machen. Eine halbe Stunde später öffnete die Frau dem Arzt die Türe – „er ist im Schlafzimmer“. Der Arzt fand den Professor im Bett sitzend vor, seine Augen weit geöffnet, das Nachthemd von Schweiß durchtränkt. „Wie fühlen Sie sich?“, fragte der Arzt. „Sehen Sie aus dem Fenster, dann werden Sie es verstehen.“ Der Arzt ging zum Fenster, und sah in die Nacht. Er öffnete es, und sein Blick wanderte aufmerksam von links nach rechts, von unten nach oben. Doch er konnte nichts sehen, bloß die Dunkelheit der Nacht und einen klaren Sternenhimmel. „Und, was sagen Sie?“ „Nichts, da ist nichts“, antwortete der Arzt. Der Professor stand auf, blieb vor dem Fenster stehen und deutete hinaus. „Sehen Sie doch! Da ist es, direkt vor Ihren Augen!“ Der Arzt schüttelte den Kopf. „Was sollte ich denn sehen?“, fragte er. „Also das ist doch nicht zu übersehen – sind auch Sie verrückt geworden? Nun sehen Sie doch! Sie sind doch genauso verrückt. Alle meinen, ich sei verrückt, dabei sind Sie genauso verrückt, wie all die anderen, wenn Sie das nicht sehen können!“ Die Frau, die an der Türschwelle stand, sah den Arzt sorgenvoll an. „Was meinen Sie, Herr Doktor?“ „Dasselbe wie das letzte Mal, nicht Frau Professor?“ „Ja“, sagte sie. Der Arzt verabreichte dem Professor ein Beruhigungsmittel, und versprach, am nächsten Abend nochmals vorbeizuschauen, um die weiteren Schritte zu besprechen. „Wird das wieder aufhören?“, fragte die Frau. Das könne er noch nicht sagen, doch es werde sich schon ein Weg finden, so der Arzt, bevor er sich verabschiedete. Der Arzt fuhr am Heimweg entlang des Waldes, als er vor der Kurve, die am Horizont vom Schlafzimmerfenster des Professors aus gerade noch zu sehen war, seinen Wagen anhielt. Er stieg aus, holte aus dem Kofferraum eine Pistole, und erschoss sich ohne zu zögern mitten auf der Landstraße. Am nächsten Morgen brachte die Frau des Professors das Frühstück ans Bett. „Wie geht es dir?“, fragte sie. Der Professor stand auf und ging zum Fenster. „Nichts, da ist nichts. Es ist nichts zu sehen“, sagte er.

Warum ich nachts zu Boden blicke!

Donnerstag, 01. August 2013

die kinder der menschheit fallend aus unseren fenstern gehen nicht aus dem kopf, als hätte ich selbst gestoßen, zugleich selbst kind bin. keines fällt hinab, um seinen körper vom beton zerfetzen zu lassen, schlimmer noch, fallen sie endlos hinauf in den schwarzen himmel. der sinn des fallens in die tiefe liegt im aufschlag, soll heißen, gerade nicht im fallen, sondern in seinem ende. der sturz nach oben ist die real gewordene sinnlosigkeit, schon angedeutet im bloßen wahrnehmen des nicht zu fassenden sternenhimmels der dunkelsten sommernacht. und doch, ein blick in die vergangenheit, lang verglühte sterne zeigen sich immer noch, mehr noch, erst viel später. die hand gottes, die dich greift, umgeben von deinen nichtigkeiten, dich hinausschleudert ohne möglichkeit eines halts, eines haltens, bis dieser ort hier von einem augenblick zum nächsten vom punkt eines lichts zum nichts wird, wirft dich gnadenlos in die vergangenheit und zukunft zugleich. deine dich ausspuckende welt zerfällt mit einem schlage, erstarrt im rückblick so rasch wie das licht befördert. erstarrt in der dunkelheit des todes. vergangene unendlichkeiten stehen still im hineinfallen in sie selbst. die zeit ist verloren, das kommende bleibt das gewesene, und dieses löst die zukunft auf. beides rast in sich zusammen, das fallen der menschheit ist ein fallen ohne zeit und ende. das verwesende wirst du gewesen sein. doch nur für andere.

dies ist kein text

Donnerstag, 25. Juli 2013

alles versucht in den letzten zwei jahren, zwecklos. kürzlich den hinweis erhalten, dass gewisse stoffe ihren wirkstoff erst über den darm entfalten. jahrelang nicht darüber nachgedacht, und nun die vorstellung: zuerst in den mund, schlucken, über den rachen zuerst in den magen und erst dann irgendwann in den darm, von dort der wirkstoff in mein blut, das mein herz schließlich in mein hirn pumpt. jahrzehntelang nie in den sinn gekommen. also kotzen und dann schlucken. wie sich das liest: kotzen und schlucken – eigenschaften einer modernen frau. alles versucht in den letzten zwei jahren, aber keinen text produziert. keinen inhaltsvollen text, keinen inhaltsleeren text, keinen formschönen text, kein unförmliches wortchaos. nichts. aber alles versucht. immer nur alles versucht, aber nichts produziert. wären die versuche selbst ein text, dann ja, aber keinen text produziert. alles versucht: arbeit: ermüdend, liebe: zwecklos, leiden: kitschig, tabletten: vom schwachsinn zum hangover. vermessen zu sagen, ich hätte alles versucht. nein, ich habe gar nichts versucht. arbeit wegen den umständen. liebe hat mich versucht. es hat gelitten in mir. nungut, für die tabletten übernehme ich die verantwortung. doch das mit dem darm – wer hätte das wissen können? jahrelang geglaubt, berauscht zu sein, während ich nüchtern war, jahrelang mich dann nüchtern gefühlt, als ich endlich dem rausch unterlegen war. alles versucht, in mir. immer noch, und schon wieder kein text hier – ein text des textes wegen, mehr nicht. meine eigene sprache liegt vor mir wie ein verkrüppelter wachkomapatient. keine worte, keine rhythmik. warum kein tourette? das ist meine spur! alles gesucht in mir, alles versucht mit mir, alles verflucht. aber wie oft bin ich früher in einer massenvorlesung gesessen, als mir plötzlich ganz heiß wurde, und das gefühl hatte, ich müsste augenblicklich aufstehen und „halts maul du fotzeeee!“ herausbrüllen. nie getan, hoffe ich. oft überlegt, ob nicht doch. aber nein, leider kein tourette, bloß eine vorstellung – eine sehr schöne. letztens gehört, direkt: „das opfer fordert den täter heraus“ – das nenne ich schwachsinn, größtmöglicher, dümmster schwachsinn, der im moment seines ausdrucks, wenn auch nur in diesem einen fall, aber doch in diesem fall vom schwachsinn zum wahrsinn wird – gleich in den kopf schießen. was, wenn nicht dieser sprechakt sollte eine herausforderung sein, ein opfer zu produzieren. insofern bezeichne ich ab sofort all jene, welche solche sätze produzieren als freiwillige opfer, selbstmörder. das ist meine spur. denn sprechen funktioniert – das performative, unmittelbare ist nicht zu bändigen und da, immer da. immer da, ja sogar dann mit emotionen, ausbrüchen, und – maria im himmel verzeih! – aggressionen! gewissen menschen mit einer gut geschärften kleinen axt ins genick zu schlagen, gerade so, dass es bricht; der schädel darf gerne dran bleiben. am rande dazu eine anmerkung: es gibt in meiner parallelgasse jemanden, der jedes mal, wenn ich mit meinem vw-bus in dieser gegend parke, und tatsächlich jedes mal! – ich parke selten dort aus diesem grund, vier mal in diesem jahr, und vier mal das selbe – … der also jedes mal einen seitenspiegel meines vw-busses abreißt – meist gehsteigseitig. also hier zum beispiel: parken, warten und ein kleiner schlag von hinten mit der hacke ins gnack. (falls betroffene person dies zufällig liest: nicht, dass sie mir dann mit ihren letzten worten kommen, sie hättens nicht gewusst!) gäbe noch viele andere… so manch ein nachbar; jeder besoffene, der vor meiner tür uriniert; prinzipiell alle, die nicht fähig sind, einen sinnvollen satz zu produzieren; vertreter, besser gesagt: alle, die unangekündigt an meiner türe läuten, aber insbesondere vertreter: kirchenvertreter – hier sagt der begriff ja schon alles; versicherungsvertreter; verkäufer; generell verkäufer, die sich dem modell eines pyramidensystems bedienen – verachtenswert; speziell herbalife verkäufer, die ihre diätpillen in achtunddreißig verschiedenen yogastudios magersüchtigen kindern verkaufen, nebenher verkäufer fürs verkaufen zu gewinnen, um ganz frei von deren moral mitzunaschen. „mit“-zu-naschen scheint generell ein phänomen bei verkäufern zu sein. also geld: all jene, die etwas nur, d.h. ausschließlich wegen geldes tun: ins genick mit der hacke. hier vielleicht sogar: kopf ab, anlaufen, durchziehen – ein schuss bis in den letzten rang hinauf!

das ist meine spur! und jetzt, da mein magen gerade leer ist, ein schlafmittel, damit der zweite absatz etwas flüssiger wird… und eine rauchpause bis zum darm. sollte doch schneller gehen… mal sehen. als selbstkritischer geist, kann ich freilich jetzt sagen, dass dieser schwachsinnigste, dümmste satz „das opfer fordert den täter heraus“ neben dem genannten einzigen fall, wenn der sprecher dieses satzes wegen dieses satzes zu einem opfer werden muss, auch in den oben genannten fällen stimmen könnte. also wenn ich endlich all diesen leuten das genick brechen bzw. ihnen ihren kopf abschlagen werde, könnte durchaus gesagt sein: sie hätten es herausgefordert. kann man aber nicht, denn sie sind zuerst einmal die täter. die opfer sind andere, ich bin bloß der henker. um das jetzt aber doch noch weiter – lächerlich – zu relativieren, vermutlich allein deshalb, weil morgen keine polizei an meiner türe läuten sollte, denn oben ist schließlich beschrieben, was mit jenen passiert, soll gesagt sein: ich besitze noch keine hacke! und um die wahrheit zu lügen: ich würde mir auch keine kaufen – zumindest nicht für diesen zweck. doch es ist die spur. sie kommt auch ohne verbrechen aus. eine sprache, die sich im wachkoma befindet – nach wie vor, denn auch dies ist kein text – kann auch heftig geschlagen und getreten werden, bis sie vielleicht zurückschlägt und zurücktritt. wie es im sprechen funktioniert, sollte erst lauter gesprochen werden. wie man sich liebt, sollte erst richtig gefickt werden. und wo es schwachsinnig zugeht, sollte erst ein „halt dein maul, hurenkindfotze“ genügen dürfen.

doch es ist wieder verkampft, es ist wieder wortlos, es ist wieder ohne rhythmus. es ist wieder kein text. und die geschichte mit dem darm? nichts zu merken. neue drogen? ist es das? neue drogen – neue sprache? oder briefe an die eltern statt an herrn s.? was inspiriert denn überhaupt noch in einer solchen scheißwelt? wenn der DJ-index abstürzt? verkrüppelte menschen, die sich nie ändern? nie! umgeben, täglich, ständig, von der größten scheiße, permanent, überall. steh ich letztens in kaisermühlen, rechts bei kaisermühlen verkrüppelte, besoffene menschen; links neue, hohe, tote betonhäuser menschenleer – sofort kotzen und 2mg schlucken! aus dieser zeit kann alles produziert werden, bloß keine texte mehr… nicht ohne neue spur…

Der Krampf des Irrenhausführers!

Samstag, 11. Mai 2013

Eine gute Idee für ein eher kostenintensives Literaturprojekt bleibt gewöhnlich beim Ausdruck „eher kostenintensiv“ auch schon stecken – freilich, geschrieben wird in der Freizeit, doch fallen Kosten an, scheitern die ohnehin nicht in Geld schwimmenden Schreibenden meist bei der Frage nach der Finanzierung (es sei denn, man trägt einen bereits wohlbekannten Namen oder aber versucht sich in Arschkriecherei). Aber warum sich nicht des relativ neuen Instruments des „Crowdfundings“ bedienen? Könnte doch funktionieren… wäre zu denken… Schwierigkeiten gibt es dennoch, im Wesentlichen zwei, die die deutschsprachige Literatur betrifft: Erstens funktioniert Crowdfunding durch eine möglichst große Masse; bezüglich der Deutschsprachlichkeit reduziert sich der globale potentielle Pool wieder auf einen relativ lokalen Kreis und Crowdfunding ist in unseren Breitengraden noch nicht derart populär. Zweitens bleibt das Problem der Medienaufmerksamkeit, und das ist das selbe der klassischen Finanzierung: weitgehend unbekannte Autor/innen können natürlich erst dann mit medialer Unterstützung rechnen, wenn etwas auf dem Tisch liegt – und das ist auch gut so; wie sonst soll etwas kritisiert werden können? Einem Crowdfunding-Projekt bricht dieser Umstand jedoch das Genick; ohne Reichweite keine Masse.

Der Irrenhausführer

 

Der Irrenhausführer – Ein Zwischenbericht

Umso stärker soll hier für die Idee geworben werden – die Projektseite ist hier zu finden: Startnext: Der Irrenhausführer. Für die laufende Berichterstattung ist diese Adresse reserviert: www.irrenhausfuehrer.eu. Das Crowdfunding läuft etwas träge, unsere anfänglichen Erwartungen waren zu optimistisch – dennoch: an einem Experiment darf man auch scheitern, wohlgleich wir noch lange nicht gescheitert sind… die entscheidenden Wochen stehen bevor. Parallel zum Crowdfunding steht ein Antrag für ein Förderprogramm, um dem Projekt zum Erfolg zu verhelfen. Als dritte Kapitalquelle bleibt noch das eigene, das bis zu einem gewissen Rahmen vorgeschossen werden kann – und mit einem ersten Teilbetrag nun auch konnte – Dank einiger Verlage, die Interesse zeigen, sodass wir davon ausgehen, den Selbstverlag nicht finanzieren zu müssen. Es handelt sich meist um kleinere bis mittlere Literaturverlage, besonders freut der Bericht des Psychiatrie Verlags, der von sich aus – obwohl wir kein wissenschaftliches, sondern viel mehr ein literarisches Buch hervorbringen wollen – berichtet und interessiert ist.

Das persönliche Feedback, etwa auf Facebook, ist durchgängig positiv, zumindest melden sich keine Zweifler zu Wort. Irgendwie schade, denn wir wollen durchaus polarisieren, was uns nur zum Teil gelingt (s.u.). Die seriöse Presse, auf die wir angewiesen wären, zeigt sich einerseits interessiert – das ist wertvoll – doch abwartend. Das ist aus den oben genannten Gründen heraus verständlich, doch andererseits auch eine vergebene Chance, denn mit ein wenig Risiko und Vertrauen könnte daraus etwas Exklusives entstehen. Die meisten kontaktierten Zeitschriften warten auf ein Rezensionsexemplar – ja, bis dahin ist unsere Schwarmfinanzierung Geschichte. Nicht zu vernachlässigen wäre der Hinweis, dass dieser Roadtrip laufend Material abwerfen würde – abgesehen von literarischen Zwischenberichten, entstünden Fotografien, Videos, Tonbandmitschnitte, und so weiter – daraus könnte sich etwas machen lassen. Ein beachtliches Magazin berät sich diesbezüglich gerade, der Falter zeigt sich für die postproduktive Phase zwar offen („Wir würden berichten. Sogar ziemlich ausführlich?“), die Idee eines Vorabberichts im Gegenzug für gewisse Vorrechte sei zwar gut, doch scheint dies noch nicht entschieden oder Negatives verschwiegen! Diese „Live-Berichterstattung“ kann aber ohnedies mittels Zugang für das „Insider-BLOG“ für einen Beitrag von EUR 10,- auf der Crowdfunding-Plattform erworben werden.

Eine gewisse Komik der Ratlosigkeit tragen Reaktionen von Medienvertretern, die vielleicht nicht ganz zu diesem Projekt passen – aber vielleicht gerade deshalb doch passen könnten. Etwa die als christlich geprägte Furche: „Offen gestanden weiß ich nicht so recht, was ich dazu sagen soll – aber halten Sie uns auf jeden Fall auf dem Laufenden; vielleicht bringen wir einmal etwas über das Projekt.“ Eine Wirtschaftszeitschrift überschätzt naturgemäß unser Marketing „Auch in Irrenhäusern, so darf vermutet werden, kennt man Twitter ..?“, aber doch mit Neugier: „… und vielleicht, wenn nicht alles getwittert, gebloggt und geschrieben ist, können wir uns anschließend mal zu einer Art Resumé verabreden? Interessieren würde mich, was Sie erleben, schon.“ Bei einem naturwissenschaftlichen Verein ist das Projekt natürlich ganz falsch aufgehoben, dennoch ein skeptischer Verein: „… ich war zunächst geneigt, die e-mail zu verwerfen. Dann packte mich doch die Neugier und ich las das – immer noch hin und her gerissen, ob ich einem Witz aufgesessen bin.“ – Nein, sind Sie nicht!

Es gibt aber auch heitere Ablehnung – speziell sowohl bei verbissenen Antipsychiatristen, als auch bei der gegenteiligen Gattung. Gemein haben sie nur zweierlei, nämlich den fehlenden Sinn für Humor und zweitens – ohne uns zu kennen – werden wir als zu normal bzw. gesund für ein solches Vorhaben eingestuft. Mein früher Gedanke, mit einer solchen Idee als irr zu gelten, sei hiermit also widerlegt (auch wenn ich mich weigere, mich als normal, geschweige denn als gesund zu bezeichnen).

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Dass sich in der Komik die Tragik verliert, ist ja nichts Neues – aber ein Leben so ganz ohne Sinn für Ironie ist dann tatsächlich unheilbar tragisch. Jedenfalls ist es eine bloße Unterstellung, wer an einer psychischen Erkrankung leidet und wer nicht. Eine absurde Situation, darüber zu streiten, wer gestörter ist! Wir sind nicht frei von dieser Erfahrung, möchten dennoch als „irre“ bezeichnet werden – pathologisch sind aber eher Ansichten wie diese.

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Damit klärt es sich auf – es sei uns eine Ablehnung der Psychiatrie unterstellt! Groteskerweise aber wird uns von den wirklichen Kritikern der Psychiatrie genau das Gegenteil untergeschoben: als wären wir ihr gegenüber zu unkritisch eingestellt – auch dann freilich sind Witze verboten!

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Und dann gibt es noch einen Paranoiker, der sich für einen Arzt hält – und nein, es ist nicht Dr. Fleisch (der ist nämlich wirklich Psychiater!):

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Aber natürlich gibt es auch echte Mediziner und nicht nur Trolle: „Lieber Kurt Fleisch, ich bin angehender Psychiater und finde die Idee gut, sofern das literarisch/ journalistisch entsprechend gut umgesetzt wird. Seriöse Sache, aber mit viel Humor. Ich könnte mir jedenfalls entfernt vorstellen, dass so etwas, wie gesagt wenn top gemacht und nicht aggressiv antipsychiatrisch oder zu klamaukig, was für unseren Verlag wäre […]“

Interessierte oder Idioten, Kranke oder Gesunde, Angepasste oder Narren, abwartende Presse oder lauernde Verlage – dieses Projekt hat Potential! Unterstützt uns auf Startnext, schreibt einen Artikel, twittert es selbst in die Welt oder hackt den Account Armin Wolfs, um den Link zu teilen! Euch sei gedankt!

… wenigstens die Klatschblätter füllen ihre Sommerlöcher, und Theresa Z. ist längst im Irrenhaus!

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Der gute alte Paranoia-Schnelltest!

Freitag, 12. April 2013

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Quelle des Originals: Wikipedia

Richtungsding – Zeitschrift für junge Gegenwartsliteratur

Dienstag, 21. Juni 2011

Richtungsding

Die Ausgabe III der Zeitschrift Richtungsding ist von Harald Gerhäußer und Jan-Paul Laarmann herausgegeben worden. Ich freue mich, dass einige meiner Briefe darin erschienen sind!

Platz gefunden haben nicht nur ältere, bereits bekannte Briefe:

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… auch bisher unbekannte sind dabei:

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Ich bedanke mich.
Einfach bestellen, hier: http://www.richtungsding.com/bestellung.htm

Wo sind die Briefe?

Sonntag, 17. Oktober 2010

Tatsächlich erreichen mich täglich mehrere Dutzend Anfragen bezüglich weiterer Briefe, und selbstverständlich schreibe ich fortwährend weitere Briefe an Herrn S. (der allerdings psychisch bedingt darauf kaum zu reagieren scheint), doch habe ich mich dazu entschlossen, sie vorerst nicht zu veröffentlichen, da es günstiger ist, die gesammelten Briefe, wenn sie irgendwann ein Ende erreicht haben werden, auf einen Schlag, bestenfalls sogar materiell, also gedruckt, zu veröffentlichen (oder auch einzelne spezielle, dann aber in spezieller Form, versteht sich).

Ich stelle jedoch meinen Mitschnitt der von Radio Ö1 produzierten Sendung, in der Stephan Rehm die ersten 15 meiner Briefe liest, online (sollte jemand von Ö1 etwas gegen diesen unverschämten Copyright-Verstoß einzuwenden haben, bitte ich um E-Mail)…

Briefe an Herrn S. (1-15) von Kurt Fleisch, Sprecher: Stephan Rehm, Regie: Katharina Weiss.

WÖRTER.See – Ö1 Literaturwettbewerb

Donnerstag, 01. Juli 2010

Tja, wer hätte das gedacht: meine bisherigen Briefe an den lieben Herrn S. wurden ausgezeichnet. Ich nämlich hätte gedacht, ich bekäme dafür einen Wissenschaftspreis, stattdessen finde ich mich unter den neun Gewinnerinnen und Gewinnern des WÖRTER.See Literaturwettbewerbs von Radio Ö1. Umso besser! Ich fordere daher alle auf, am Dienstag, dem 13. Juli 2010, um 21:00 Uhr Ö1 zu hören – da werden die Briefe zum Hörspiel.

Ö1 schreibt:

Es soll ja vorkommen, dass das Verrückte normal und das Normale verrückt ist. Und es soll auch vorkommen, dass Ärzte die Kontrolle verlieren. Zunächst über sich und dann über ihre Patienten. Im Siegertext des 1981 geborenen Schriftstellers Kurt Fleisch steht die Welt auf dem Kopf. Ausschließlich per Brief therapiert ein vermeintlicher Psychiater und Gehirnphysiologe, der sich für einen Nobelpreisträger hält, einen Patienten, Herrn S.

Er verordnet postalisch Benzodiapezine, Haloperidol und andere Antipsychotika, unternimmt haarsträubende Selbstversuche, entwickelt seltsame Maschinen und empfiehlt das Irrenhaus als Schutzhaus und als Ort der Ruhe und Stabilität. Die wortgewaltigen und mit pseudowissenschaftlichen Versatzstücken durchsetzten Briefe bilden eine groteske, aber in sich schlüssige Realität ab. Und zeigen, dass das, was wir Wirklichkeit nennen, nicht mehr ist als ein auf Konventionen beruhendes fragwürdiges Konstrukt.
(http://oe1.orf.at/programm/244786)

 

Und natürlich sollten alle Siegertexte gehört werden, die da wären:

– 6. Juli: Laura Freudenthaler: „Le Crâne, der Schädel“
– 13. Juli: Kurt Fleisch: „Briefe an Herrn S.“
– 20. Juli: Karl Kreiner: „Sunna ’93“
– 27. Juli: Jessica Lind: „Ich träume vom Sehen“
– 3. August: Margit Mössmer: „Gerda in London“
– 10. August: Marion P.: „Flipper“
– 17. August: Johannes Tröndle: „Das Zeitmesser“
– 24. August: Milos Wächter: „ausbrechen“
– 31. August: Magda Woitzuck: „Hollywood“