Mit ‘psychiatrie’ getaggte Artikel

Der Krampf des Irrenhausführers!

Samstag, 11. Mai 2013

Eine gute Idee für ein eher kostenintensives Literaturprojekt bleibt gewöhnlich beim Ausdruck „eher kostenintensiv“ auch schon stecken – freilich, geschrieben wird in der Freizeit, doch fallen Kosten an, scheitern die ohnehin nicht in Geld schwimmenden Schreibenden meist bei der Frage nach der Finanzierung (es sei denn, man trägt einen bereits wohlbekannten Namen oder aber versucht sich in Arschkriecherei). Aber warum sich nicht des relativ neuen Instruments des „Crowdfundings“ bedienen? Könnte doch funktionieren… wäre zu denken… Schwierigkeiten gibt es dennoch, im Wesentlichen zwei, die die deutschsprachige Literatur betrifft: Erstens funktioniert Crowdfunding durch eine möglichst große Masse; bezüglich der Deutschsprachlichkeit reduziert sich der globale potentielle Pool wieder auf einen relativ lokalen Kreis und Crowdfunding ist in unseren Breitengraden noch nicht derart populär. Zweitens bleibt das Problem der Medienaufmerksamkeit, und das ist das selbe der klassischen Finanzierung: weitgehend unbekannte Autor/innen können natürlich erst dann mit medialer Unterstützung rechnen, wenn etwas auf dem Tisch liegt – und das ist auch gut so; wie sonst soll etwas kritisiert werden können? Einem Crowdfunding-Projekt bricht dieser Umstand jedoch das Genick; ohne Reichweite keine Masse.

Der Irrenhausführer

 

Der Irrenhausführer – Ein Zwischenbericht

Umso stärker soll hier für die Idee geworben werden – die Projektseite ist hier zu finden: Startnext: Der Irrenhausführer. Für die laufende Berichterstattung ist diese Adresse reserviert: www.irrenhausfuehrer.eu. Das Crowdfunding läuft etwas träge, unsere anfänglichen Erwartungen waren zu optimistisch – dennoch: an einem Experiment darf man auch scheitern, wohlgleich wir noch lange nicht gescheitert sind… die entscheidenden Wochen stehen bevor. Parallel zum Crowdfunding steht ein Antrag für ein Förderprogramm, um dem Projekt zum Erfolg zu verhelfen. Als dritte Kapitalquelle bleibt noch das eigene, das bis zu einem gewissen Rahmen vorgeschossen werden kann – und mit einem ersten Teilbetrag nun auch konnte – Dank einiger Verlage, die Interesse zeigen, sodass wir davon ausgehen, den Selbstverlag nicht finanzieren zu müssen. Es handelt sich meist um kleinere bis mittlere Literaturverlage, besonders freut der Bericht des Psychiatrie Verlags, der von sich aus – obwohl wir kein wissenschaftliches, sondern viel mehr ein literarisches Buch hervorbringen wollen – berichtet und interessiert ist.

Das persönliche Feedback, etwa auf Facebook, ist durchgängig positiv, zumindest melden sich keine Zweifler zu Wort. Irgendwie schade, denn wir wollen durchaus polarisieren, was uns nur zum Teil gelingt (s.u.). Die seriöse Presse, auf die wir angewiesen wären, zeigt sich einerseits interessiert – das ist wertvoll – doch abwartend. Das ist aus den oben genannten Gründen heraus verständlich, doch andererseits auch eine vergebene Chance, denn mit ein wenig Risiko und Vertrauen könnte daraus etwas Exklusives entstehen. Die meisten kontaktierten Zeitschriften warten auf ein Rezensionsexemplar – ja, bis dahin ist unsere Schwarmfinanzierung Geschichte. Nicht zu vernachlässigen wäre der Hinweis, dass dieser Roadtrip laufend Material abwerfen würde – abgesehen von literarischen Zwischenberichten, entstünden Fotografien, Videos, Tonbandmitschnitte, und so weiter – daraus könnte sich etwas machen lassen. Ein beachtliches Magazin berät sich diesbezüglich gerade, der Falter zeigt sich für die postproduktive Phase zwar offen („Wir würden berichten. Sogar ziemlich ausführlich?“), die Idee eines Vorabberichts im Gegenzug für gewisse Vorrechte sei zwar gut, doch scheint dies noch nicht entschieden oder Negatives verschwiegen! Diese „Live-Berichterstattung“ kann aber ohnedies mittels Zugang für das „Insider-BLOG“ für einen Beitrag von EUR 10,- auf der Crowdfunding-Plattform erworben werden.

Eine gewisse Komik der Ratlosigkeit tragen Reaktionen von Medienvertretern, die vielleicht nicht ganz zu diesem Projekt passen – aber vielleicht gerade deshalb doch passen könnten. Etwa die als christlich geprägte Furche: „Offen gestanden weiß ich nicht so recht, was ich dazu sagen soll – aber halten Sie uns auf jeden Fall auf dem Laufenden; vielleicht bringen wir einmal etwas über das Projekt.“ Eine Wirtschaftszeitschrift überschätzt naturgemäß unser Marketing „Auch in Irrenhäusern, so darf vermutet werden, kennt man Twitter ..?“, aber doch mit Neugier: „… und vielleicht, wenn nicht alles getwittert, gebloggt und geschrieben ist, können wir uns anschließend mal zu einer Art Resumé verabreden? Interessieren würde mich, was Sie erleben, schon.“ Bei einem naturwissenschaftlichen Verein ist das Projekt natürlich ganz falsch aufgehoben, dennoch ein skeptischer Verein: „… ich war zunächst geneigt, die e-mail zu verwerfen. Dann packte mich doch die Neugier und ich las das – immer noch hin und her gerissen, ob ich einem Witz aufgesessen bin.“ – Nein, sind Sie nicht!

Es gibt aber auch heitere Ablehnung – speziell sowohl bei verbissenen Antipsychiatristen, als auch bei der gegenteiligen Gattung. Gemein haben sie nur zweierlei, nämlich den fehlenden Sinn für Humor und zweitens – ohne uns zu kennen – werden wir als zu normal bzw. gesund für ein solches Vorhaben eingestuft. Mein früher Gedanke, mit einer solchen Idee als irr zu gelten, sei hiermit also widerlegt (auch wenn ich mich weigere, mich als normal, geschweige denn als gesund zu bezeichnen).

shit1

Dass sich in der Komik die Tragik verliert, ist ja nichts Neues – aber ein Leben so ganz ohne Sinn für Ironie ist dann tatsächlich unheilbar tragisch. Jedenfalls ist es eine bloße Unterstellung, wer an einer psychischen Erkrankung leidet und wer nicht. Eine absurde Situation, darüber zu streiten, wer gestörter ist! Wir sind nicht frei von dieser Erfahrung, möchten dennoch als „irre“ bezeichnet werden – pathologisch sind aber eher Ansichten wie diese.

shit2

Damit klärt es sich auf – es sei uns eine Ablehnung der Psychiatrie unterstellt! Groteskerweise aber wird uns von den wirklichen Kritikern der Psychiatrie genau das Gegenteil untergeschoben: als wären wir ihr gegenüber zu unkritisch eingestellt – auch dann freilich sind Witze verboten!

shit4

Und dann gibt es noch einen Paranoiker, der sich für einen Arzt hält – und nein, es ist nicht Dr. Fleisch (der ist nämlich wirklich Psychiater!):

shit3

Aber natürlich gibt es auch echte Mediziner und nicht nur Trolle: „Lieber Kurt Fleisch, ich bin angehender Psychiater und finde die Idee gut, sofern das literarisch/ journalistisch entsprechend gut umgesetzt wird. Seriöse Sache, aber mit viel Humor. Ich könnte mir jedenfalls entfernt vorstellen, dass so etwas, wie gesagt wenn top gemacht und nicht aggressiv antipsychiatrisch oder zu klamaukig, was für unseren Verlag wäre […]“

Interessierte oder Idioten, Kranke oder Gesunde, Angepasste oder Narren, abwartende Presse oder lauernde Verlage – dieses Projekt hat Potential! Unterstützt uns auf Startnext, schreibt einen Artikel, twittert es selbst in die Welt oder hackt den Account Armin Wolfs, um den Link zu teilen! Euch sei gedankt!

… wenigstens die Klatschblätter füllen ihre Sommerlöcher, und Theresa Z. ist längst im Irrenhaus!

sonntag1

Der gute alte Paranoia-Schnelltest!

Freitag, 12. April 2013

paranoia

 

Like this:
https://www.facebook.com/irrenhaus.startnext

Quelle des Originals: Wikipedia