Mit ‘wörter.see’ getaggte Artikel

Wo sind die Briefe?

Sonntag, 17. Oktober 2010

Tatsächlich erreichen mich täglich mehrere Dutzend Anfragen bezüglich weiterer Briefe, und selbstverständlich schreibe ich fortwährend weitere Briefe an Herrn S. (der allerdings psychisch bedingt darauf kaum zu reagieren scheint), doch habe ich mich dazu entschlossen, sie vorerst nicht zu veröffentlichen, da es günstiger ist, die gesammelten Briefe, wenn sie irgendwann ein Ende erreicht haben werden, auf einen Schlag, bestenfalls sogar materiell, also gedruckt, zu veröffentlichen (oder auch einzelne spezielle, dann aber in spezieller Form, versteht sich).

Ich stelle jedoch meinen Mitschnitt der von Radio Ö1 produzierten Sendung, in der Stephan Rehm die ersten 15 meiner Briefe liest, online (sollte jemand von Ö1 etwas gegen diesen unverschämten Copyright-Verstoß einzuwenden haben, bitte ich um E-Mail)…

Briefe an Herrn S. (1-15) von Kurt Fleisch, Sprecher: Stephan Rehm, Regie: Katharina Weiss.

WÖRTER.See – Ö1 Literaturwettbewerb

Donnerstag, 01. Juli 2010

Tja, wer hätte das gedacht: meine bisherigen Briefe an den lieben Herrn S. wurden ausgezeichnet. Ich nämlich hätte gedacht, ich bekäme dafür einen Wissenschaftspreis, stattdessen finde ich mich unter den neun Gewinnerinnen und Gewinnern des WÖRTER.See Literaturwettbewerbs von Radio Ö1. Umso besser! Ich fordere daher alle auf, am Dienstag, dem 13. Juli 2010, um 21:00 Uhr Ö1 zu hören – da werden die Briefe zum Hörspiel.

Ö1 schreibt:

Es soll ja vorkommen, dass das Verrückte normal und das Normale verrückt ist. Und es soll auch vorkommen, dass Ärzte die Kontrolle verlieren. Zunächst über sich und dann über ihre Patienten. Im Siegertext des 1981 geborenen Schriftstellers Kurt Fleisch steht die Welt auf dem Kopf. Ausschließlich per Brief therapiert ein vermeintlicher Psychiater und Gehirnphysiologe, der sich für einen Nobelpreisträger hält, einen Patienten, Herrn S.

Er verordnet postalisch Benzodiapezine, Haloperidol und andere Antipsychotika, unternimmt haarsträubende Selbstversuche, entwickelt seltsame Maschinen und empfiehlt das Irrenhaus als Schutzhaus und als Ort der Ruhe und Stabilität. Die wortgewaltigen und mit pseudowissenschaftlichen Versatzstücken durchsetzten Briefe bilden eine groteske, aber in sich schlüssige Realität ab. Und zeigen, dass das, was wir Wirklichkeit nennen, nicht mehr ist als ein auf Konventionen beruhendes fragwürdiges Konstrukt.
(http://oe1.orf.at/programm/244786)

 

Und natürlich sollten alle Siegertexte gehört werden, die da wären:

– 6. Juli: Laura Freudenthaler: „Le Crâne, der Schädel“
– 13. Juli: Kurt Fleisch: „Briefe an Herrn S.“
– 20. Juli: Karl Kreiner: „Sunna ’93“
– 27. Juli: Jessica Lind: „Ich träume vom Sehen“
– 3. August: Margit Mössmer: „Gerda in London“
– 10. August: Marion P.: „Flipper“
– 17. August: Johannes Tröndle: „Das Zeitmesser“
– 24. August: Milos Wächter: „ausbrechen“
– 31. August: Magda Woitzuck: „Hollywood“